„Experiment“ macht Vorfreude. Über Rohrendorfs mutigen Schritt bei der Trainerwahl.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 12. November 2019 (02:38)

Mehmet Scholl führte 2015 den Begriff „Laptoptrainer“ in den deutschen Fußballdiskurs ein. Taktik sei „das oberste Gebot“, und selbst hätten diese Trainer „nie oben gespielt“, das ist die Definition der Bayern-München-Ikone. Die negative Konnotation wird der Begriff seitdem nicht mehr los. Der „Laptoptrainer“ ist das, was in der Schule der Streber ist. Scheitert einer von ihnen, ist Häme oft nicht weit weg.

Im Amateurfußball ist der „Laptoptrainer“ eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, weil viele den Aufwand nicht betreiben können und ihn die finanzielle Entschädigung nicht rechtfertigt. Die Nachfrage ist einfach gering. Erfahrung und vergangene Erfolge gehen im Amateurbereich über Ausbildung und Akribie. Der „alte Hase“ gibt Funktionären ein Gefühl der Sicherheit.

Rohrendorf geht einen anderen Weg. Stefan Kerzig ist 26 Jahre alt, bringt keinerlei Erfahrung als Kampfmannschaftstrainer mit und schaffte als Spieler nie den Durchbruch. In der Halbzeitpause gibt es bei ihm Videoanalysen statt Kabinenpredigten. Den Verantwortlichen ist für ihren Mut zu gratulieren. Das „Experiment“ Kerzig macht schon jetzt Lust auf das Frühjahr. Stellt sich Erfolg ein, müssen die Vereine ihre Prioritäten bei der Trainerauswahl überdenken.