Nur keinen Fehler riskieren?. Franz Aschauer über die Angst der Schiedsrichter vor dem späten Pfiff.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 14. August 2018 (02:21)

11. April, Real Madrid spielt im Champions-League-Viertelfinale gegen Juventus Turin. In der Nachspielzeit die alles entscheidende Situation: Der Turiner Innenverteidiger Mehdi Benatia bringt Lucas Vazquez mit einer Mini-Berührung zu Fall, Schiedsrichter Michael Oliver zeigt auf den Punkt, Cristiano Ronaldo verwertet eiskalt. Real stieg auf und setzte sich später die europäische Fußballkrone auf, Schiedsrichter Michael Oliver hingegen sah sich mit einem Kritik-Bombardement für seinen Elfer-Pfiff konfrontiert.

Die Entscheidung des englischen Unparteiischen zeigte, dass etwas mehr Fingerspitzengefühl oft eher angebracht ist als Kurzschlussreaktionen. Umgekehrt sind es aber gerade diese Entscheidungen, die Schiedsrichter zu übertriebener Zurückhaltung bewegen. Bestes Beispiel dafür: der nicht gegebene Elfmeter im Spiel des KSC gegen Zwettl. Die Angst vor einem späten Elfer-Pfiff scheint durchaus real zu sein. Zu groß ist das Risiko, kurz vor dem Abpfiff zu einem spielentscheidenden Faktor zu werden.

Für den Schiedsrichter ist es jedenfalls egal, ihm wird unabhängig von der Entscheidung von einer der beiden Mannschaften der schwarze Peter zugeschoben. Dennoch muss klar sein: Der Mut zur Entscheidungsfreudigkeit und ein gewisses Fingerspitzengefühl schließen einander nicht aus.