25 Jahre Donau-Uni. Ein Ungleichgewicht zwischen der öffentlichen Finanzierung von Basisausbildung und Weiterbildung ortet der Rektor der Donau-Universität Krems, Friedrich Faulhammer. Letztere sei in hohem Maß privat finanziert.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 29. September 2020 (14:02)
Campus Krems
Donau-Universität Krems

"Wir heben Lehrgangsbeiträge ein, die aber nur die variablen Kosten abdecken - im Vergleich zur Basisausbildung, in die viel öffentliches Geld fließt, ist das nicht balanciert. Wissenschaftliche Weiterbildung soll leistbarer werden", so Faulhammer zur APA.

Die Donau-Uni, die am 2. Oktober mit einem Festakt ihr 25-Jahr-Jubiläum feiert, ist die einzige Weiterbildungs-Universität im deutschsprachigen Raum. Sie bietet (neben zwei PhD-Studien) hauptsächlich kostenpflichtige Universitätslehrgänge an.

"Wir haben Lehrgänge für Migrationsmanagement oder migrationssensibles Wohnen. Das ist zum Beispiel für NGO-Mitarbeiter interessant, die aber an den Kosten scheitern", meinte Faulhammer. Mit zusätzlichem Bundesgeld könne man hier zumindest Stipendienmodelle anbieten. Derzeit finanziert sich die Donau-Uni zu zwei Drittel aus Eigenerträgen über Gebühren und Drittmittel, 23 Prozent des aktuellen Budgets von rund 50 Mio. Euro kommen vom Bund, der Rest über die Investitionen in die Gebäude und Infrastruktur vom Land Niederösterreich. Rechtlich festgehalten ist bereits, dass der Bund künftig 50 Prozent der Kosten übernehmen soll - allerdings noch ohne konkrete Jahreszahl.

Die Donau-Uni will Faulhammer weiter klar als öffentliche Universität für Weiterbildung positionieren - Pläne für die Einführung von Bachelor-Studien will man vorerst nicht weiter verfolgen. "Wir wollen das Feld der wissenschaftlichen Weiterbildung so gestalten, dass Menschen es viel stärker als bisher in Anspruch nehmen." Insgesamt würden sich nur 16 Prozent der Menschen in Österreich überhaupt weiterbilden - nur drei Prozent tun dies an Hochschulen. "Das ist eigentlich sehr enttäuschend, weil ja das breiteste und qualifizierteste Wissen an den Universitäten vorhanden ist."

Das Besondere an der wissenschaftlichen Weiterbildung sei die Verankerung in der Forschung und die damit verbundenen hohen Qualitätsstandards sowie Sicherstellung von neuem und evidenzbasiertem Wissen, betonte Faulhammer. Die verstärkte Sichtbarkeit des Themas müsse nicht unbedingt zu zusätzlichen Studenten an der Donau-Uni führen. "Klar freut es uns, wenn das bei uns ist, das kann aber gerne auch an der Uni Wien, der Fachhochschule Krems oder welche Hochschule auch immer sein." Das Alleinstellungsmerkmal der Donau-Uni im Vergleich zur Uni Wien seien die Relationen. Dort gebe es insgesamt 90.000 Studierende und 1.500 Weiterbildungsteilnehmer im Postgraduate Center - "es hat also keinen so besonderen Stellenwert in der Schwerpunktsetzung der Uni. Wir beschäftigen uns ausschließlich mit dem Thema und können es so gestalten, dass es bestmöglich neben dem Beruf durchgeführt werden kann."

"Noch einiges an Fundamenten zu bauen" sieht Faulhammer im Bereich der Durchlässigkeit. Derzeit können die Absolventen eines mit einem Master-Titel endenden Uni-Lehrgangs (im Unterschied zu Absolventen eines mit einem Master-Titel abschließenden Regelstudiums) kein Doktoratstudium anfangen. "Im Rahmen der Weiterentwicklung des Weiterbildungsbereichs im Universitätsgesetz soll Durchlässigkeit gewährleistet werden, dass egal woher ein akademischer Grad kommt - ob aus Weiterbildung oder Regelstudium - kein Unterschied besteht für einen Anschluss an andere Studien." Das betreffe nicht nur die Donau-Uni - auch Absolventen der Executive Academy der WU hätten keinen Anspruch auf Aufnahme eines Doktoratsstudiums an der WU.

Mit der Entwicklung der beiden PhD-Studien an der Donau-Uni ist Faulhammer zufrieden. In der "Regenerativen Medizin" habe es bereits erste Absolventen gegeben, in den "Migration Studies" sei dies demnächst der Fall. "In den PhD-Studien zahlt man nichts - im Gegenteil: Man wird über Drittmittel angestellt, kann sich überwiegend der Forschungsarbeit widmen und auch schon publizieren." Demnächst sollen weitere PhD-Studien im Bereich digitale Transformation, Weiterbildungsforschung und Kulturelles Erbe entstehen.

Demnächst soll das eigene Donau-Uni-Gesetz weitgehend in das Universitätsgesetz integriert werden. Nach dem Wunsch Faulhammers soll die Donau-Uni dann auch das Habilitationsrecht bekommen - derzeit darf sie keine Lehrbefähigungen zuerkennen. "In vielen Bereichen ist ein PhD zwar schon ein Habilitationsäquivalent - aber in vielen anderen Bereichen ist die Habilitation noch ein Kriterium."

Einzige Universität für Weiterbildung

Am 1. Oktober 1995 nahm die Donau-Universität Krems als "Universitätszentrum für Weiterbildung" mit 93 Studenten in der ehemaligen Tabakfabrik ihren Studienbetrieb auf. 25 Jahre später verfügt sie über einen eigenen Campus, wurde mittlerweile zur "Universität für Weiterbildung" erhoben, ist in der Universitätenkonferenz (uniko) vertreten und hat sogar das Promotionsrecht. Trotzdem kommt ihr im Hochschulsystem noch immer eine Sonderstellung zu.

Das liegt zum einen daran, dass die Donau-Uni nur Universitäts-Lehrgänge und Doktoratsstudien anbieten darf. Das schließt etwa Diplomstudien sowie Bachelor- und Masterstudien nach dem Bologna-System aus. Aufgrund der Fokussierung auf Uni-Lehrgänge, die als außerordentliche Studien gelten, waren auch stets Gebühren zu bezahlen - gebührenfrei ist nur das PhD-Studium. Das Angebot ist stark auf Berufstätige zugeschnitten, das Durchschnittsalter der Studierenden mit 39 Jahren dementsprechend höher als an den anderen Universitäten.

Mittlerweile wurden der Uni aber durchaus Schritte weg vom Sonderstatus zugebilligt. So gilt für sie zwar nach wie vor das eigene Bundesgesetz über die Universität für Weiterbildung Krems, allerdings wurde sie auch ins Universitätsgesetz (UG) und die uniko aufgenommen. Demnächst sollen weite Teile der sie betreffenden Regelungen ins UG überführt werden.

Die Idee zur Gründung einer Universität in Niederösterreich gehen auf den ehemaligen Landeshauptmann Siegfried Ludwig (ÖVP) und dessen Initiativen für eine eigene Landeshauptstadt zurück. Im Gespräch waren unter anderem die Einrichtung einer "Friedens"- oder "Dritten-Welt-Universität" - heraus kam schließlich die Idee einer Einrichtung für postgraduale Programme. Nach einigen Jahren Planungsphase wurde am 8. April 1994 die Errichtung des "Universitätszentrums für Weiterbildung mit der Bezeichnung Donau-Universität Krems" per Gesetz beschlossen.

Der Studienbetrieb startete 1995 mit 93 Teilnehmern in drei Studiengängen für Europäische Integration und Journalismus. Im September 1997 erhielt die Donau-Universität Krems dann das Recht, den neuen akademischen Grad eines Master of Advanced Studies zu verleihen - schon einen Monat später wurden die ersten österreichischen Mastertitel vergeben. 1998 folgte dann die erste Graduierung zum Master of Business Administration (MBA) in Österreich. Später kamen noch unter anderem etwa die Grade Master of Arts (MA) oder Master of Laws (LL.M) dazu.

Die im Rahmen von Uni-Lehrgängen verliehenen Master-Grade sind trotz ihres Namens allerdings nicht mit den Master-Graden von Regelstudien nach dem Bologna-System (Bachelor/Master/PhD) vergleichbar. Sie berechtigen etwa nicht zur Aufnahme eines Doktoratsstudiums an anderen Unis.

2004 wurde die Donau-Uni zur "Universität für Weiterbildung" erhoben. Damit erhielt sie etwa die Möglichkeit, Professoren zu berufen. 2005 wurde mit Helmut Kramer der erste Rektor bestellt (davor standen jeweils Geschäftsführer an der Spitze, Anm.) und der neue Campus eröffnet, den man sich heute mit der Karl Landsteiner Privatuniversität und der IMC Fachhochschule teilt. 2014 erhielt die Uni dann das Promotionsrecht - im Vorjahr studierten 19 Personen in einem der beiden PhD-Programme "Migration Studies" und "Regenerative Medicine".

Heute ist die Donau-Uni in drei Fakultäten (Gesundheit und Medizin; Wirtschaft und Globalisierung; Bildung, Kunst und Architektur) mit jeweils fünf bis sechs Departments gegliedert. Im Wintersemester 2019 studierten rund 7.800 Personen an ihr, knapp die Hälfte davon an der Fakultät für Gesundheit und Medizin. Ihr Budget liegt derzeit bei jährlich 51 Mio. Euro, wobei der Eigenfinanzierungsanteil über Gebühren und Drittmittel 65 Prozent beträgt. Den Rest teilen sich Bund (23 Prozent) und das Land Niederösterreich, das Gebäude und die Infrastruktur finanziert.

Ihr 25-Jahr-Jubiläum feiert die Donau-Uni am 2. Oktober mit einem Festakt in Grafenegg.

(SERVICE - Internet: http://www.donau-uni.ac.at/)