Beirat gibt grünes Licht für Bauprojekt. Welterbemanagerin beurteilt das umstrittene Vorhaben in der Schillerstraße als unproblematisch. Anrainer vermuten unvollständigen Informationsstand dahinter.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 02. März 2020 (15:48)
Stehen die Schillerstraßenhäuser 2 und 4 vor dem Abriss? Das Bundesdenkmalamt und der Welterbebeirat haben nichts dagegen.
Johann Lechner

Der Kampf gegen den Abriss der Schillerstraßenhäuser 2 und 4 und den Bau von Wohneinheiten gestaltet sich für die Anrainer und ihre Unterstützer weiterhin schwierig. Nach der Absage des Bundesdenkmalamts, ein Unterschutzstellungsverfahren einzuleiten (die NÖN verbreitete), gab jetzt auch der Welterbebeirat bekannt, keine Bedrohung in dem Bauvorhaben zu sehen.

Welterbemanagerin Ingeborg Hödl schreibt in einer Mail an den Baudirektor und Weltkulturerbebeauftragten der Stadt Krems, Reinhard Weitzer: „Aus den bis dato vorgelegten Unterlagen ist nicht ersichtlich, dass das geplante Projekt im Verhältnis zur Struktur des Bestandes problematisch ist. Soweit es aus dem vorhandenen Planmaterial ersichtlich ist, fügt sich das Bauvorhaben an die umgebende Volumetrie an.“

Für Weitzer kommt die Beurteilung „unproblematisch“ nicht überraschend. Es seien in den vergangenen Wochen Probleme im Kontext des Welterbestatus der Wachau „herbeigeredet“ worden.

Kunsthistoriker erbost

Einer, der das ganz anders sieht, ist Lokalhistoriker Ernst Kalt. Er schreibt in einem Flugblatt für seinen Vortrag zum Thema Schillerstraße am 1. April im BRG Ringstraße: „Die geplante Demolierung der Häuser Nr. 2 und 4 ist ein Anschlag auf das Weltkulturerbe.“ An Weitzers Umgang mit der Sache lässt Kalt kein gutes Haar. Der Baudirektor der Stadt habe sich einen „Persilschein von Hödl geholt“. Zudem glaubt der 76-Jährige, dass der Welterbemanagerin nicht alle Unterlagen zu dem Bauvorhaben zur Verfügung gestanden wären.

Ähnlicher Meinung sind die Anrainer, die laut eigenen Aussagen bereits über 1.000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt haben. „Es ist davon auszugehen, dass lediglich die Fassade und die Traufenhöhe, und nicht das Gesamtvolumen beurteilt wurden“, sagt Gerline Mattanovich, eine Sprecherin der Gruppierung.

Aktuell wartet die Haring Group, jener Bauträger, der hinter dem umstrittenen Projekt steht, noch auf den Abrissbescheid, den das Amt für Anlagenrecht am Magistrat ausstellen muss. Zur angedachten Einrichtung von Schutzzonen durch die Stadt (die NÖN berichtete) referiert Weitzer im März vor dem Bauausschuss.