Bergwerk wird geschlossen: Letzte Kohle aus Thallern. Suche nach Hohlräumen bringt jetzt ein letztes Mal „schwarzes Gold“ zum Vorschein.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 21. Oktober 2018 (05:09)
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Bohrkerne aus „schwarzem Gold“: Hobbyhistoriker Leopold Koller und Grundbesitzer Martin Sedelmaier präsentieren die in den vergangenen Tagen geförderte Thallerner Kohle.
Fotos: Martin Kalchhauser

„In Thallern wird noch einmal Kohle gefördert!“ Mit dieser scherzhaften Bemerkung nehmen Hobby-Historiker Leopold Koller (er gilt als „Vater“ des Bergwerk-Gedenkwegs in Krems-Süd) und der Thallerner Stadtrat Martin Sedelmaier auf aktuelle Arbeiten Bezug, die der endgültigen Schließung des Bergwerks vorausgehen.

Thallern in Monarchie wichtiges Bergwerk

1750 bis 1922 wurde in Thallern Kohle abgebaut. „Glanzkohle“, eine Braunkohleart, die mit ihren Eigenschaften der wertvolleren Steinkohle sehr nahe kam, wurde hier gefördert. Mit Wagen rollte das Material zu den damaligen Seitenarmen der Donau.

„Die Wiener Ziegelwerke brannten ihre Steine mit Kohle aus Thallern“, weiß Koller. „Sie wurde aber auch bis Rumänien verschifft.“ Bauten wie die Roßauer Kaserne oder die Gasometer bestehen aus Bausteinen, die mit Thallerner Kohle gebrannt wurden.

1964 wurde der Bergwerksbetrieb „mangels Wirtschaftlichkeit“ eingestellt, formell geschlossen ist der Kohleabbau-Standort bis heute nicht.

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Bis in 35 Meter Tiefe wird im Raum Thallern nach Hohlräumen, die zu Problemen führen könnten, gesucht.
Martin Kalchhauser

„Offiziell ist das Bergwerk damit noch geöffnet“, erklärt Sedelmaier. „Bevor eine Schließung erfolgen kann, muss das Gelände gesichert werden.“ Dabei gehe es darum, Hohlräume zu befüllen, damit es nicht zu Einbrüchen des Geländes komme. Sedelmaier: „Insbesondere unter der Straße (Landesstraße 114, Anm.) darf kein Risiko eingegangen werden.“

Obwohl die Hohlräume meist gleich wieder mit taubem Material befüllt wurden („Es gab in der Vergangenheit maximal kleinräumige Senkungen.“), müsse man auf Nummer sicher gehen.

Die Thallerner mussten schon bisher wegen ihrer „unterirdischen Vergangenheit“ besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen. Vor allem seit dem Grubenunglück in Lassing (Steiermark) vor nunmehr genau 20 Jahren ist man vorsichtig. So muss jedem Hausbau ein geologisches Gutachten vorausgehen, jedes Wohngebäude im Einzugsgebiet des früheren Bergwerks auf einer stabilen Bodenplatte stehen.

Die Fachleute der GKB Bergbau GmbH bohren nun unter anderem auch in Sedelmaiers Obstgärten bis zu 35 Meter tief. Und hier kam in kompakten Bohrkernen eben auch wieder Kohle zutage – 54 Jahre nach der letzten professionellen Förderung. „Es war faszinierend, erstmals Thallerner Kohle in der Hand zu halten!“