Bürger wünschen sich mutigere Klimapolitik

Erstellt am 23. Februar 2022 | 05:17
Lesezeit: 4 Min
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Mehr Grünräume, weniger Parkplätze: Das war eine der zentralen Forderungen der Teilnehmer der 1. Kremser Klimakonferenz.
Foto: Stadt Krems
Rund 120 Interessierte nahmen an der 1. Kremser Klimakonferenz teil. Klarer Wunsch nach mehr Maßnahmen auf lokaler Ebene.
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Unzufriedenheit und Aufbruchstimmung: Das sind die Schlagworte, mit der sich die 1. Kremser Klimakonferenz resümieren lässt. Einschließlich den Referenten, Politikern, Moderatoren, Technikern und Vertretern aus der Verwaltung traten am vergangenen Freitag rund 120 Interessierte in einen breiten Dialog über Grünräume, Energieautarkie und Mobilität. Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen wählte die Stadt, die gemeinsam mit der Kremser Abordnung von „Fridays for Future“ als Veranstalter auftrat, den virtuellen Raum als Austragungsort. Das führte hin und wieder zu technischen Hürden, die das Moderationsteam rund um Claus Faber aber zu beheben wusste.

Bekenntnis, dass Ergebnisse nicht im Sande verlaufen

Vorträge, Diskussionen in Kleingruppen und im Plenum führten am Ende der vierstündigen Debatte zu einer Abstimmung, die der Kremser Klimapolitik kein gutes Zeugnis ausstellt. Viele der bis zuletzt anwesenden Teilnehmer empfinden sie als zu wenig mutig und glauben auch, dass Krems die Klimaziele nicht erreichen wird. Selbst Bürgermeister Reinhard Resch räumte gefragt nach den Ergebnissen ein, dass er in diesen beiden Punkten übereinstimme, versprach aber, dass Inhalte aus der Klimakonferenz „priorisiert und möglichst vor dem nächsten Budget eingetaktet“ werden. Das breite Bekenntnis, die Ergebnisse nicht im Sande verlaufen zu lassen, nahmen die Teilnehmer der Politik ab. Ein Großteil ist zuversichtlich, dass es nach der Konferenz weiter geht.

Das ist eine der freudvollsten Erfahrungen, die man als Bürgermeister machen kann.“ Reinhard resch Der Stadtchef zeigte sich am Ende der 1. Klimakonferenz gerührt.

Dennoch kritisierten „Fridays for Future“ im Nachgang der Veranstaltung per Aussendung: „Die Stadt Krems hat – außer im Bereich Energieautarkie – keine Klimaziele formuliert. Es gibt keine fixierten Zwischenziele, auf die wir jungen Menschen im Wettlauf gegen die Klimakrise vertrauen könnten.“

Fridays for Future brachten Statdtrat ins Schwitzen

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Marlene Nutz von Fridays for Future war Mitveranstalterin der 1. Kremser Klimakonferenz.
Foto: privat

Deren Frontfrau Marlene Nutz war es auch, die Albert Kisling mit ihren Fragen ins Schwitzen brachte. Der SPÖ-Umweltstadtrat erklärte in der Diskussion in einer Kleingruppe, dass im Stadtentwicklungskonzept 2030 nicht definiert sei, wie viele Grünräume es in Krems geben soll, es aber klar sei, dass die Altstadt „möglichst autofrei werden“ müsse. Nur: „Die Wirtschaft mit ihrer Forderung nach mehr Parkplätzen ist eine sehr starke Lobby für eine gewisse Partei.“ Ein Seitenhieb in Richtung ÖVP. Nutz konterte: „Ihre Partei stellt den Bürgermeister und verfügt über eine große Anzahl an Mandaten. Was sind Ihre Ziele?“ Eine Antwort blieb Kisling schuldig. Er gab lediglich an: „Der Bürgermeister sucht den Konsens zu allen Fraktionen. Wir haben keine Mehrheit, um alleine bestimmen zu können, und so funktioniert Politik auch nicht.“

Für „Fridays for Future“ war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Sie schafften es, ihre zehn zentralen Forderungen prägnant darzustellen. Vorschläge wie die finanzielle Aufwertung des Stadtgartenamtes, die lokale und zeitliche Erweiterung des Genussmarktes oder die Einführung einer Leerstandsabgabe zur Attraktivierung der Altstadt fanden Gehör.

Zurecht mit Spannung erwartet wurde der Vortrag von Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, die Auslöser und Auswirkungen der Klimakrise umriss und auf die lokale Ebene herabbrach. Ebenso eindrucksvoll wie erschütternd waren die Vergleiche, mit denen die 73-Jährige die Relevanz des Themas verdeutlichte. So erklärte sie unter anderem, dass es zwischen 2071 und 2100 in Krems bis zu 20 Tropennächte – also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt – geben könnte. Gegenwärtig sind es bis zu fünf.

Interessierte Vertreter aus der Baubranche

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Peter Molnar hielt einen Vortrag zu Energieautarkie.
Foto: Foto MK,G. Semrad

Weitere Impulsvorträge hielten Christine Rottenbacher von der Donau-Uni Krems, Ulrich Leth von der Technischen Universität Wien und Peter Molnar. Er gab unter anderem zu bedenken, dass die Errichtung des neuen Bades zwar unter der Prämisse des „klimaaktiv Gold Standards“ erfolge und somit möglichst ökologisch gebaut werden soll, der Energieverbrauch im Vergleich zum alten Hallenbad wegen der dann größeren Dimensionen aber nur unwesentlich geringer sei.

Interessierte Mit-Diskutanten kamen auch aus der Baubranche. Anna Steininger von der Prisma-Unternehmensgruppe, die in der Kremstalstraße gerade ein 24-Millionen-Euro-Wohnbauprojekt umsetzt, und Gedesag-Vorstandsmitglied Doris Molnar wiesen auf Hürden hin, die klimafreundlichere Vorhaben erschweren.

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Stadtchef Reinhard Resch war vom Engagement der Teilnehmer begeistert.
Foto: privat

Das Schlusswort hatte Bürgermeister Resch, der sich gerührt zeigte: „Es ist großartig, wie viele Kremser sich engagieren. Es ist interessant, wie viele verschiedene Ansätze es gibt. Das ist eine der freudvollsten Erfahrungen, die man als Bürgermeister machen kann.“

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