Bissige Oma (82) bekam Geldstrafe. Handfester Streit mit Nachbarn (77) hat Konsequenzen. Zeuge entlastete Kontrahenten.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 22. Januar 2020 (05:10)
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Ein handfester Streit zwischen einem Egelseer Hausbesitzer (77) und einer Nachbarin (82), die die Rechte am Zufahrtsweg besitzt, endete im Juli 2019 für den Mann im Spital. Die Frau hatte ihn umgestoßen, blutig geschlagen und mehrmals in Daumen und kleinen Finger gebissen.

Jetzt kam es vor Richterin Clarissa Ecker zum gerichtlichen Nachspiel. Obwohl die Frau zerrissene Kleidungsstücke präsentierte und behauptete, sie könne infolge eines Schlaganfalles gar nicht zuschlagen, blieb ihre mit vielen Erinnerungslücken zu Details präsentierte Version des Vorfalles („Ich habe mich nur gewehrt!“) wenig glaubwürdig.

Vor allem die Aussage eines Monteurs (46), dessen Zufahrt den Streit ausgelöst hatte, stand in krassem Widerspruch zu ihren Angaben und stärkte die Position des Kontrahenten, der seinerseits Notwehr gegen die „Schläge wie mit Eisenfäusten“ ins Treffen führte.

Differenzen zu vielen Aussagen des Zeugen

Nicht nur in Details gab es Differenzen. So behauptete die Frau, sie sei zu Boden gegangen, was der Elektriker nicht bestätigte. Auch dass sie den am Boden liegenden Pensionisten mit einem (Pflaster-)Stein bedroht hatte, geriet ihr zum Nachteil.

Bei der polizeilichen Einvernahme hatte die Kremserin zudem angegeben, der Nachbar habe sie „mit einem Schuh geschlagen“. In der Verhandlung war davon keine Rede mehr …

Drei Tage nach dem Vorfall hatte die 82-Jährige dem Chef des Monteurs ein SMS geschickt, in dem sie androhte, dieser könne wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden (dem Gericht wurde ein Beweisfoto vorgelegt), und es gebe außerdem einen weiteren Zeugen und Fotos vom Vorfall. Dies veranlasste den Anwalt des Zweitangeklagten sogar dazu, zu beantragen, das SMS „auf strafrechtliche Relevanz zu prüfen“.

Für den Mann, der 3.500 Euro Schmerzensgeld verlangt, gab es einen Freispruch. Die Frau wurde wegen schwerer Körperverletzung zu 1.500 Euro Geldstrafe und Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt. Sie legte Berufung ein. Nicht rechtskräftig.