EVN investiert 30 Millionen Euro in Heizwerk. Nach fünf Jahren Funkstille erwartet die EVN 2021 den Baubeginn für ihr Biomasse-Projekt.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 28. Januar 2020 (04:23)
ÖVP-Stadtrat Martin Sedelmaier weiß: Brennstoff für das Kraftwerk gibt es wegen der Holzkatastrophe im Waldviertel derzeit so billig wie nie zuvor.
Foto: Franz Aschauer

Ein schon tot geglaubtes Objekt nimmt wieder Fahrt auf. Geht es nach der EVN, bekommt Krems zwischen Ende 2022 und Anfang 2023 ein Biomasse-Heizwerk. Der Startschuss für das Projekt auf einem Grundstück im Industriegebiet soll nächstes Jahr fallen.

Die Pläne für das Öko-Strom-Vorhaben liegen schon lange in der Schublade. 2015 hielt die EVN gemeinsam mit der Stadt sogar schon eine Informationsveranstaltung ab. Als Ziel für den Baubeginn setzte man sich damals die großzügige Frist zwischen 2016 und 2018. Die Zeit verstrich, aber nie rollten die Bagger an. Fünf Jahre herrschte völlige Funkstille zu dem Kraftwerk, das einmal 10.000 Haushalte mit Öko-Strom und bis zu 25.000 Haushalte mit Naturwärme aus Waldhackgut versorgen soll. Warum?

Hinter der Verzögerung steckt eine lange Warteliste der Ökostromabwicklungsstelle, kurz OeMAG. Sie ist jene Institution, die zum einen die in das öffentliche Netz eingespeisten Ökostrommengen an die Stromhändler weiterliefert, zum anderen aber auch über ein Tarifsystem die Förderungen für die Neuerrichtung von Anlagen vergibt, die Energie aus erneuerbaren Energieträgern gewinnen.

Fünf Jahre Wartezeit für Projektleiter „arg“

Christian Domes, der das Projekt für die EVN leitet, weiß, dass die Liste der bei der OeMAG eingereichten Projekte lang ist. Dass man nun aber bereits seit fünf Jahren darauf wartet, einen Tarif zu bekommen, findet auch er „arg“. Zuversichtlich, dass es nun endlich klappt, macht ihn eine Novellierung des Ökostromgesetzes, die mit Anfang des Jahres greift. „Die Signale sind dadurch sehr positiv. Es gibt jetzt mehr Geld für die Biomasse.“ Domes hofft auf die Förderzusage bis Ende des Jahres, danach sei man „startbereit“.

Zuvor muss die EVN der Stadt noch das Grundstück abkaufen. Weitere Aufschübe soll es dank der bereits als Betriebsgebiet gewidmeten Fläche und der schon erhaltenen Genehmigungen nicht geben.

Insgesamt werden rund 30 Millionen Euro investiert. Das Holz für das Kraftwerk, das 5 Megawatt elektrisch und 16 Megawatt thermisch leisten wird, soll aus einem Umkreis von maximal 70 Kilometern angeliefert werden. Genug Brennstoff gibt es allemal. Knapp 30 Prozent des Stadtgebiets sind bewaldet, Krems-Land hat sogar einen Wald-Anteil von fast 50 Prozent. Und nicht nur das: „Durch die Borkenkäfer-Katastrophe im Waldviertel haben wir so billiges Holz wie nie zuvor“, weiß ÖVP-Stadtrat Martin Sedelmaier. Bis zu 15 Prozent des jährlichen Schadholzes aus dem gesamten Waldviertel soll in Krems verheizt werden.

Sedelmaier, ein Obstbauer aus Thallern, hat das Biomasse-Heizwerk nie aufgegeben und im Hintergrund stets forciert. Jetzt vertraut er auf den Umsetzungswillen der EVN – und die Bundesregierung: „Wir haben jetzt eine Beteiligung der Grünen, das muss den Weg ebnen.“ Für Krems, das sich das Ziel gesetzt hat, den Anteil erneuerbarer Energieträger bis 2020 auf 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs zu steigern, sei das Kraftwerk ein „gewaltiger Schritt für die Klimabilanz“.

Umweltstadtrat Albert Kisling (SPÖ) spricht gar von einem „Meilenstein für die Stadt“. Mit Blick auf die Zielsetzung im Stadtentwicklungskonzept, den CO2-Ausstoß bis 2030 zu halbieren, sieht Kisling Krems mit dem Heizwerk auf einem guten Weg. „Biomasse ist annähernd CO2-neutral – bei der Verbrennung von Waldhackgut wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen während ihres Wachstums aus der Luft aufgenommen haben.“

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