Krems

Erstellt am 17. Januar 2017, 15:21

von Thomas Werth

Fall Hirtzberger: „Das war ein Alleingang“. Helmut Osberger hat für Ergänzungen überraschend den Antrag auf ein neuerliches Aufrollen des Strafverfahrens zurückgezogen. Ohne das Wissen seines Anwalts.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Helmut Osberger hat den Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens zurückgezogen – er möchte ihn mit weiteren Details neu einreichen.    |  Archiv

„Ich habe selbst aus den Medien davon erfahren, mit mir war nichts abgesprochen. Es war ein Alleingang von ihm.“ Kurt Wolfmair, der Anwalt von Helmut Osberger, ist selbst mehr als überrascht über den Schritt Osbergers. Dieser hat in der Vorwoche den Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens zurückgezogen – es soll eine neuerliche, ergänzte Einreichung folgen.

Allerdings wird diese nicht mehr von Wolfmair verfasst – er hat die Vollmacht gekündigt, vertritt damit Osberger rechtlich nicht mehr. Osbergers Alleingang soll dafür aber nicht verantwortlich gewesen sein. „Es hat sich zeitlich überschnitten. Aber es gibt zu wenig Distanz zwischen ihm und mir, wir kennen uns schon sehr lange. Am besten wäre es für ihn, einen Rechtsvertreter mit der nötigen Distanz zu haben.“

„Osberger wittert die Chance, endlich aus dem Gefängnis zu kommen. Und nun möchte er mit aller Gewalt raus.“

Anwalt Kurt Wolfmair

Daher kennt Wolfmair auch die Motive Osbergers nicht. Allerdings hat er eine Vermutung: „Osberger wittert die Chance, endlich aus dem Gefängnis zu kommen. Und nun möchte er mit aller Gewalt raus. Das ist empathisch auch verständlich – aber es führt zu Kurzschluss-Reaktionen. Außerdem hat ihn die Zeit im Gefängnis sowohl psychisch als auch physisch sehr mitgenommen. Er hat sich mit diesem Schritt keinen Gefallen gemacht, er kann aber jederzeit wieder einen Antrag stellen. Schneller geht es so aber sicherlich nicht.“

Wie bereits berichtet, hat Wolfmair bislang kostenlos für seinen (Ex-)Mandanten gearbeitet und den Wiederaufnahmeantrag des Strafverfahrens eingebracht. Er hat auch die für jenes Gutachten, das Osberger entlasten soll, notwendigen 2.000 Euro durch Spenden aufgetrieben.

Kurt Wolfmair vertritt Helmut Osberger nicht mehr.  |  NOEN, privat

Dieses Gutachten von vier Professoren der Uni München soll beweisen, dass Hannes Hirtzberger nicht durch eine präparierte Praline vergiftet worden ist. Die DNA-Spur von Helmut Osberger sei an sich für strafrechtliche Zwecke wertlos und mutiere in dem Augenblick zur Nebensache, wenn Herr Hirtzberger nicht durch eine Praline vergiftet wurde, so Wolfmair, der sich nach wie vor sicher ist, dass Osberger unschuldig ist.