Fremdenführer: „Werden oft übersehen“. Fremdenführer sind von Touristenflaute massiv betroffen. Sie appellieren an Wirtschaftskammer und Inlandstouristen.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 03. Juli 2020 (05:20)
„Zweites Standbein ist nur schwer möglich!“ In der Sommersaison arbeiten die Fremdenführerinnen Brigitte Kohl, Ulrike Hohenwarter und Christine Wölfel (im Bild von links) oft wochenlang durch.
Johannes Mayerhofer

Sie führen Touristen durch die Städte und Landschaften Österreichs, kennen jede Sehenswürdigkeit und können selbst zu unscheinbaren architektonischen Eigenheiten einen Vortrag halten.

„Fremdenführer sind, anders als Reiseführer, streng reguliert und ausgebildet“, erklärt Ulrike Hohenwarter, die diesen Beruf seit 1998 ausübt. Da dieses Jahr viele Touristen ausbleiben werden, betont sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen Christine Wölfel und Brigitte Kohl die triste Situation der Fremdenführer. Die Branche der Fremdenführer und Reiseleiter in Österreich ist klein: Nur rund 2.100 Menschen arbeiten aktiv in diesem Bereich. „Es ist eine sehr weibliche Branche, viele haben studiert, zum Beispiel Kunstgeschichte“, meint Kohl.

„Unser Beruf wird oft banalisiert“

Oft werde der Beruf banalisiert, als „Spazierengehen und Plaudern“. Dabei steckten hinter jeder Führung viel Koordination und Einfallsreichtum. So bietet Hohenwarter eine Führung mit dem Titel „Von der Weinberggoaß zur Kellerkatz‘“ an.

Waren Fremdenführer vor Jahrzehnten oft Angestellte bei Reisebüros, sind sie heute als Ein-Personen-Unternehmer auf sich gestellt, was die drei Frauen aber nicht zwangsläufig stört. „Was ein Problem ist: Unser Hauptgeschäft sind Schiff-Touristen, vor allem aus Frankreich, den USA, Australien und Neuseeland. Die werden wir heuer vermissen.“

Die drei „Austrian Guides“ appellieren an die Wirtschaftskammer: „Wir wünschen uns, dass uns mehr Aufmerksamkeit zukommt. Ein effektiver Werbespot wäre zum Beispiel etwas.“ Auch Inlandstouristen sollten wissen, dass man bei Führungen Wertvolles über das eigene Land erfahren könne.