Gemeinderat kämpft für Spar-Markt. Nahversorger in der Oberen Landstraße muss Gebäude wegen Neubau-Plänen verlassen. Bürgermeister soll nun Kontakt mit Lebensmittelkonzern aufnehmen und Optionen anbieten.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 22. Oktober 2020 (10:51)
Johann Lechner

Der Gemeinderat hat einem von den KLS-Mandataren Nikolaus Lackner und Wolfgang Mahrer eingebrachten Dringlichkeitsantrag, der auf die Erhaltung eines Nahversorgers in der Innenstadt abzielt, in seiner gestrigen Sitzung zugestimmt. Hintergrund ist der Plan der SK Immobilien GesmbH, einer Tochter der Kremser Bank, ein Gebäude-Ensemble in der Oberen Landstraße, Sparkassengasse und Spitalgasse abzureißen und an Ort und Stelle ein Hotel, Wohnungen, Geschäftsflächen und eine Tiefgarage zu errichten (die NÖN berichtete). In den Häusern, die vom Abriss bedroht sind, ist aktuell auch ein Spar-Markt beheimatet, der wie viele andere Mieter vor dem geplanten Baustart 2022 ausziehen muss. 

"Wäre schwerer Schlag für Lebensqualität"

"Die Filiale ist für die Wohnbevölkerung ein zentrales Element der täglichen Nahversorgung. Nicht nur die älteren Kremserinnen und Kremser, welche im Stadtzentrum wohnen, decken sich dort mit Dingen des täglichen Bedarfs ein, sondern auch SchülerInnen, StudentInnen und TouristInnen", schreiben die KLS-Mandatare in ihrem Dringlichkeitsantrag und meinen darin auch, dass ein Verlust der Filiale ein "ein schwerer Schlag für die Lebensqualität" aller Innenstadtbewohner sei. 

Zustimmung aller Fraktionen

Alle anderen Fraktionen stimmten dem von Lackner verlesenen Antrag zu. SPÖ-Stadtrat Hemut Mayer etwa sagte: "Die Nahversorgung liegt uns sehr am Herzen. Natürlich können wir Spar nicht vorschreiben, wo er seine Filialen ansiedelt. Aber Spar wird ein Interesse haben, Ersatz zu schaffen." Zustimmende Worte kamen auch von FPÖ-Gemeinderat Werner Friedl: "Wir pflichten dem Antrag der KLS bei." Man sei aber froh, dass sich die Sparkasse dieses Projektes annehme. "Das ist sicher etwas Zukunftsweisendes", meint Friedl. Mit Spannung erwartet Vize-Bürgermeister Erwin Krammer (ÖVP) das anstehende Millionen-Projekt. Auch er stimmte mit seiner Fraktion zu.

Leerstehende Geschäftsflächen als Optionen

Am Zug ist nun Bürgermeister Reinhard Resch, der per Resolution beauftragt wird, mit der SK Immobilien GesmbH und Spar Gespräche aufzunehmen, "um im Falle eines Abrisses und Neubaus des Gebäudes eine andere Lokalität für die Fortführung des Marktes in einer der leerstehenden Geschäftsflächen in der Oberen Landstraße in Betracht zu ziehen", heißt es im Dringlichkeitsantrag. Gemeinderat Friedl bemerkte zu dieser Passage: "Der Bürgermeister hat die Auswahl einer Reihe geschlossener Geschäfte in der Nähe."

Spar will Bevölkerung erhalten bleiben

Bei Spar ist man für die Pläne des Gemeinderats jedenfalls aufgeschlossen. Man könne zwar zu der Angelegenheit derzeit nur sehr wenig sagen, Tatsache sei aber, dass man der Kremser Bevölkerung gerne als Nahversorger erhalten bleiben würde, heißt es auf NÖN-Anfrage seitens des Lebensmittelkonzerns. 

Weiterer Dringlichkeitsantrag angenommen

Ein weiterer Dringlichkeitsantrag, den die FPÖ eingebracht hatte, fand bei der gestrigen Gemeinderatssitzung auch Zustimmung. Alle Parteien akzeptierten die Forderung der Freiheitlichen, den Sportvereinen die Mieten für die Benützung der städtischen Sportstätten bis Ende des Jahres zu erlassen. Sportstadtrat Albert Kisling betonte aber, dass dieser Schritt ohnehin in Ausarbeitung gewesen sei. Der Hintergrund für die gewährte Erleichterung ist die Maßnahme der Bundesregierung, bei privaten Treffen indoor nur noch sechs Personen zuzulassen. Auch die Trainings der Sportvereine sind davon betroffen, Wettkämpfe fallen aus. Darüber hinaus trifft das Zuschauerverbot der Landesregierung bei Bewerben in orangefarbenen Bezirken die Sportvereine hart.