Grün Shoppen im Internet mit „Think!First“. Donau-Universität Krems entwickelte den Prototypen eines umweltfreundlichen Online-Shops.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 31. Juli 2019 (12:53)
Donau-Uni
Thomas Wernbacher vom Zentrum für angewandte Spieleforschung leitete das Projekt.

Der Online-Handel hat den Plafond noch lange nicht erreicht. Alleine der Bekleidungssektor wird 2020 ein Markvolumen von 354 Milliarden Euro erreichen. Der rasante Anstieg der Paketzahlen und die mehr werdenden Retouren, die bis zu 50 Prozent der Lieferungen ausmachen, stellen für die Umwelt eine große Belastung dar. Bisherige Verbesserungsinitiativen zielten vor allem auf die schleppende Elektrifizierung von Lieferwagen oder die Errichtung zentraler Sammelstellen ab. „Der größte Hebel blieb dabei ungenützt: Das menschliche Verhalten“, sagt Thomas Wernbacher, der das Projekt „Think!First“ ins Leben gerufen hat.

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Wer umweltfreundlich shoppte, dessen virtueller Wald wurde größer. Rund 300 Kunden des oberösterreichischen Unternehmens Grüne Erde nahmen an „Think!First“ teil.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Zentrum für Angewandte Spieleforschung an der Donau-Universität Krems hat für das oberösterreichische Unternehmen Grüne Erde einen Online-Shop entworfen, das Kunden ermutigt, sich beim Kauf von Produkten zielorientierter und nachhaltiger zu verhalten. Rund 300 Freiwillige nahmen an dem Feldtest, der von August 2018 bis Jänner 2019 lief, teil. Das Ergebnis: Die Retourenquote konnte um 15 Prozent gesenkt werden. Und das ist nicht alles. „Die Grüne-Erde-Kunden haben im Rahmen der Testphase insgesamt mehr als 6.000 Einzelmaßnahmen gesetzt und damit ökologische Verbesserungen erzielt, die dem Anpflanzen von rund 90 Bäumen entsprechen“, schildert Wernbacher.

Virtueller Wald als Gamification-Werkzeug

Gelungen ist das dank Gamification, persuasiven Designprinzipien und maschinellen Lernalgorithmen, dem Spezialgebiet Wernbachers. Was kompliziert klingt, sind in der Umsetzung recht einfache, aber wirksame Maßnahmen. Maschinelle Lernalgorithmen bedeuten nichts anderes als die Einsetzung optimierter Größentabellen und verbesserter Produktbeschreibungen.

Ein Kleid im Online-Shop der Grünen Erde ist also zusätzlich zu Größe 38 auch noch beispielsweise „figurumspielend“. Unter dem Gesichtspunkt der Gamification ließen die Nutzer einen virtuellen Wald wachsen. Wer eine langsame, umweltfreundliche Versandart wählte, auf dessen Bildschirm spross ein Baum in die Höhe – ein motivierender Aspekt nicht nur für kindliche Gemüter. Besonders fleißige Teilnehmer bekamen „Give Aways“ wie Handcremen.

"Resonanz der Kunden sehr positiv"

Bei der Grünen Erde, einem Unternehmen, das mit nachhaltig produzierten Waren handelt, wird derzeit evaluiert, ob und welche Dinge in den Standard-Online-Shop integriert werden. „Die Resonanz der Kunden, die mitgemacht haben, war jedenfalls sehr positiv“, sagt Grüne-Erde-Projektbetreuerin Ingrid Miller. Wernbacher ist schon jetzt überzeugt: „‘Think!First‘ kann als entscheidender erster Schritt zur Verbesserung der Ökobilanz des E-Commerce-Sektors gesehen werden.“

Das sieht auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) so, der das Projekt für den Mobilitätspreis in der Kategorie „Digitalisierung“ nominiert hat. Bis 28. Juli kann unter www.vcoe.at für „Think!First“ abgestimmt werden.