Fall Söllner: FPÖ sucht nun die „Denunzianten“. Nicht nur Justizwachebeamter sieht sich als Opfer. Parteifreunde werden sogar im Parlament aktiv.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 29. Januar 2020 (16:37)
Roman Söllner zeigte dem Dienstgeber stets gerne die „gelbe Karte“. Bekommt nun er eine Verwarnung?
NOEN

Auch in der Woche nach dem Vorfall, bei dem sich der Steiner Justizwachebeamte und Hadersdorfer FPÖ-Spitzenkandidat Roman Söllner bei den Skimeisterschaften der Justiz mit der „belasteten“ Startnummer 88 (steht in Nazikreisen für „Heil Hitler“, Anm.) fotografieren hat lassen, liegt der Fall noch nicht bei den Akten. Es wird ermittelt.

Wie berichtet, hatte sich Söllner im „gemütlichen Teil“ der Veranstaltung die Nummer übergestreift, obwohl er gar kein aktiver Rennläufer war. Kurios: In einer Meldung einer Gratiszeitung war der Beamte „mit der Nummer 88 über die Piste gerast“, obwohl er nachweislich – wie er auch zugibt – nicht am Start stand. Am Montag der Vorwoche war Söllner wegen des Vorfalles ins Ministerium bestellt worden, wo er die Angelegenheit erklären sollte.

Wie von der NÖN berichtet, sieht sich der Mann als Opfer. Man habe ihn „hineingelegt“. Seitens der ermittelnden Verantwortlichen des Justizministeriums wird mitgeteilt, dass die Einvernahme abgeschlossen ist. „Es werden nun weitere Erhebungen zur Klärung des Herganges durchgeführt. Bis diese abgeschlossen sind, bitten wir um Verständnis, dass wir keine weiteren Auskünfte erteilen können“, heißt es dazu von Ministeriums-Sprecherin Christina Ratz.

FPÖ-Offensive für Söllner im Parlament

Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auch auf den Umstand, dass es in dieser Sache eine parlamentarische Anfrage gebe und die Angelegenheit auch in Bezug auf diese aufgearbeitet werden müsse. Tatsächlich gibt es eine solche Anfrage, jedoch nicht zur Aufklärung des Verhaltens des vermeintlichen Provokateurs, sondern wegen des Verdachts der „Gesinnungsjustiz“.

FPÖ-Mann Christian Lausch stellte 22 Fragen zum Vorfall mit Söllner an Ministerin.
Fotos: HAGENpress, MK

In der vom FPÖ-Nationalratsabgeordneten Christian Lausch gemeinsam mit weiteren blauen Mandataren eingebrachten Anfrage an Ministerin Alma Zadić werden zum Fall Söllner 22 Fragen gestellt. Im Mittelpunkt steht die Suche nach den „Denunzianten“, wie dem Fotografen der Situation. Man will erfahren, wie es zum Vorfall kam und wie die Sache ans Licht gekommen ist. Wissen wollen Lausch und seine FPÖ-Freunde unter anderem, „ob bereits disziplinarrechtliche Schritte gegen jene Personen, die das Bild gemacht und an die Medien weitergeleitet haben, unternommen wurden“.