Immer weniger Passanten in der Innenstadt. 61.300 gingen an der Messstelle vorbei. Das bedeutet einen Rückgang von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 20. Juni 2017 (05:33)
NOEN, Johann Lechner
Zwischen 12 und 14 Uhr tummeln sich die meisten Leute in der Landstraße.

Die Passantenfrequenz in der Innenstadt nimmt merklich ab. 61.300 gingen im Oktober 2016 innerhalb einer Woche an der Messstelle in der Oberen Landstraße vorbei, das bedeutet einen signifikanten Rückgang um 5.700 Passanten oder 8,5 Prozent im Vergleich zur Messung aus dem Jahr 2015. Krems liegt mit seinem Fußgängeraufkommen im bundesweiten Städtevergleich auf Platz zehn. Erhoben werden die Daten von der Stadt- und Standortmarketing-Firma City Team. Doppelzählungen sind bei der digitalen Messung ausgeschlossen.

Johann Lechner
Auf Erni Breith folgt Ulf Elser.Er möchte die Mitglieder der Kaufmannschaft zu durchgängigen Mittagsöffnungszeiten bewegen.

Wenig Vertrauen in die Frequenzzählung haben Kaufmannschafts-Obmann Ulf Elser und Wirtschaftsservicestellenleiter Matthias Slatner. Für beide sind die Daten stark wetterabhängig und damit nur schwer mit einem anderen Jahr vergleichbar. Laut Slatner gab es während der Messung im vergangenen Jahr außerdem Messprobleme. „Aufgrund des Dauerregens kam es zu technischen Problemen.“ Den bundesweit zehnten Platz streicht er trotz des angeblichen Messfehlers als gute Platzierung hervor.

Geteilte Meinungen über den Branchenmix

Keine Informationen über einen Messfehler hat Elser. Trotz aller Vorbehalte gegenüber der Erhebungsweise nimmt er das Ergebnis ernst. „Ich mache selber auch Frequenzzählungen und die Ergebnisse korrelieren. Als Grund für den Rückgang lässt sich subsumieren, dass die Innenstadt weniger attraktiv ist. Der Branchenmix ist einfach nicht gut. Aber auch das Einkaufsverhalten der Leute hat sich verändert. Viele erledigen alles auf einmal.“

NOEN
Wirtschaftsservicestellen-Leiter Matthias Slatner wünscht sich ebenfalls längere Öffnungszeiten.

Gegensätzlich zur Meinung des Kaufmannschafts-Obmanns fällt Slatners Einschätzung aus: „Die Kremser Innenstadt bietet einen ausgewogenen Branchenmix, etwa mit vielen unterschiedlichen Gastronomiebetrieben mit hohen kulinarischen Standards.“

Dem Frequenz-Rückgang entgegenwirken möchte Elser mit einer Mittagsöffnung der Geschäfte. „Die Frequenzspitze ist zwischen 12 und 14 Uhr. Das ist wirklich bemerkenswert und jeder müsste darauf reagieren.“ Elser glaubt auch nicht, dass das Ergebnis nur ein kurzer „Einknick“ ist. „Es ist vielmehr ein langfristiger Trend.“

Mit dem zehnten Platz im bundesweiten Ranking ist der Kaufmannschafts-Obmann nicht zufrieden. „Wir könnten aus unserem Potenzial viel mehr machen. Notwendig wäre dafür aber ein koordiniertes und professionelles Stadtmarketing.“