Krems

Erstellt am 25. Oktober 2018, 06:48

von Martin Kalchhauser

Grüne Rettung für Mikroklima. Forschungsprojekt „Greenovate“ stand bei Thementag an Donau-Uni im Mittelpunkt.

Arbeiten gemeinsam an einer kühlenden Gebäudebegrünung für Krems: „green4cities“-Experte Bernhard Scharf, Projektleiter Christoph Stenzel, Umweltstadtrat Albert Kisling, GEDESAG-Direktor Alfred Graf, Bürgermeister Reinhard Resch und Donau-Uni-Professor Helmut Flögl vom Department für Bauen und Umwelt (von links).  |  NOEN

Mit zwei konkreten Projekten startet die Stadt Krems in das Projekt „Greenovate“ (der Name steht für „Grün“ und „Innovation“, Anm.), mit dem man in eine Pionierrolle schlüpfen will. Intensive Begrünung von Gebäuden soll künftig das Mikroklima verbessern.

Wie Projektleiter Christoph Stenzel betont, könne durch Bewuchs und Schatten (Bäume) eine kühlende Wirkung erzielt werden – gerade angesichts immer heißer werdender Sommer eine spannende Möglichkeit.

So könnte das GEDESAG-Zentrum in der Bahnzeile schon bald aussehen. Möglichst viele weitere Immobilien sollen folgen.  |  Foto: green4cities

Die spürbare Zunahme der Hitze ist auch für Stadtchef Reinhard Resch ein Argument, die „grüne Stadt“ zu forcieren. „Wir sind auf einem guten Weg, das im Stadtentwicklungskonzept 2030 festgeschriebene Ziel des Klimaschutzes zu erreichen“, meint er. „Das ist ein guter erster Schritt auf unserem Weg.“ Umweltstadtrat Albert Kisling, der auch davon träumt, vermehrt „Parkflächen (Parkplätze, Anm.) zu Parkflächen (Parks) zu machen“, sieht die Kremser Pläne sogar als „Modell für ganz Österreich“.

Los geht es in Krems mit dem Hochhaus in der Bahnzeile 1, in dem die Zentrale der Wohnbaugenossenschaft GEDESAG untergebracht ist. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir da mitmachen. Ab sofort sollen bei allen unseren Neubauten verstärkt Grünräume und Bäume berücksichtigt werden“, meint deren Direktor Alfred Graf, der mit dem derzeit in Bau befindlichen Großprojekt Kasernstraße/Gaswerkgasse gleich noch ein zweites Pilotprojekt präsentieren kann.

Pflanzen kühlen und sind ein Wasser-Puffer

Bei der GEDESAG-Zentrale wurde am Computer eine umfassende Simulation von Begrünungsmaßnahmen angestellt. Der potenzielle Erfolg der Maßnahmen lässt den nächsten Schritt zu. Sie sollen realisiert werden. „Die Pflanzen sind nicht nur eine Möglichkeit der Kühlung, sondern auch ein wichtiger Wasser-Puffer, der bei Starkregen Feuchtigkeit zurückhält“, bringt Graf ein weiteres wichtiges Argument ins Spiel.

Bernhard Scharf, der mit seinem Forschungsunternehmen „green4cities“ Projektpartner der Stadt ist, spricht sogar von einer „gefühlten Temperaturreduzierung um zehn Grad“. Schon in einem Zehn-Jahres-Zeitraum werde die Verbesserung der Mikroklimas spürbar. Abgesehen von messbar besserer Luftqualität bringe der Grün-Bewuchs auch einen positiven psychologischen Effekt.

Sind bei Gebäudebewuchs und Dachbegrünung nicht auch Probleme und Schäden durch Feuchtigkeit in Mauern zu erwarten? Nach Auskunft Scharfs sind die Befürchtungen unbegründet: „Wenn der Bau fachlich und technisch richtig ausgeführt ist, gibt es garantiert keine Probleme. Im Gegenteil: Durch ein begrüntes Dach sind die Temperaturschwankungen in den Mauern deutlich geringer, das ist für die Bausubstanz sogar besser!“ Einzig beim Bau müsse man, so Graf, bereits früh planen – sowohl die Baukosten als auch die spätere laufende Betreuung betreffend.