Krems

Erstellt am 23. Oktober 2018, 03:28

von Franz Aschauer

Sexismus-Debatte hat Volksfest erreicht. „Watchgroup gegen sexistische Werbung“ stuft Werbeplakat für das Volksfest als sexistisch ein. Veranstalter sehen das nicht so.

Das Werbeplakat des Wachauer Volksfests.  |  LWmedia

Die Sexismus- und MeToo-Debatte ist in den vergangenen Monaten voll in der Gesellschaft angekommen. Ein Segment, in dem schon viel länger intensiv über Sexismus und die Darstellung von Frauen diskutiert wird, ist die Werbung. Immer wieder keimt Kritik auf, dass Werbungen in Fernsehen, Radio oder Zeitungen sexistische Elemente besäßen.

Jetzt ist es die „Watchgroup gegen sexistische Werbung“, die ein alle zwei Jahre in Krems zu sehendes Werbeplakat ins Visier nimmt. Die Rede ist vom Sujet des Wachauer Volksfestes, das seit 2009 eine Frau im Dirndl zeigt, die in einer Hand ein Weinglas, in der anderen ein Bierglas hält. Der Kopf des Models ist abgeschnitten, lediglich das üppige Dekolleté der Frau ist zu sehen.

„Gemäß unseren Kriterien ist das Sujet als sexistisch einzustufen“, sagt Ina Mastnak, Leiterin der „Watchgroup für sexistische Werbung“, die vom unabhängigen Frauenbeauftragten-Kollektiv des Grazer Frauenrates betrieben wird. Dass das Model ein Dirndl trägt, sei kein Problem, so Mastnak. Es gehe rein um die Art der Inszenierung. „Kurz gesagt, geht es bei dieser Werbung um Brüste und alkoholische Getränke, wobei die Brüste die alkoholischen Getränke verkaufen sollen.“

Nicht konkret auf das Werbeplakat des Wachauer Volksfests eingehen wollte der Österreichische Werberat, in seinem Handbuch „Dos und Don‘ts in der Werbung“ hält er aber fest: „Kritisch wird es, wenn Damen ohne Kopf dargestellt werden, der Fokus liegt auf dem Dekolleté sowie auf dem Bier. Damit fungiert der Dirndl-Ausschnitt als Blickfang und steht nicht im Bezug zum beworbenen Produkt.“

Veranstalter: „Finden Motiv nicht sexistisch“

Nicht nachvollziehbar ist die Kritik für Claudia Altrichter, Prokuristin der LW Werbe- und Verlags GmbH, die der Veranstalter des Wachauer Volksfestes ist. „Ich finde das Motiv nicht sexistisch.“ Das Sujet ziele lediglich auf die Verknüpfung von Bier und Wein ab, die ein tragendes Element des Volksfests sei.

Für Veranstalterin Claudia Altrichter ist die Kritik am Sujet nicht nachvollziehbar.  |  Lechner

Die Frau im Dirndl stelle einen jungen Menschen dar, der auf ein traditionelles Fest geht, so Altrichter. „Warum der Kopf abgeschnitten ist, kann ich nicht sagen. Das war damals eine Idee unserer Kreativabteilung.“ Übertrieben in Szene gesetzt würden die Brüste der Frau nicht, findet Altrichter. Auch habe man bei der Auswahl des Models nicht nach einer gewissen Oberweite gesucht. „Das ist eine Frau mit durchschnittlicher Figur.“

Das nächste Wachauer Volksfest findet von 22. August bis 1. September 2019 im Stadtpark statt. Die Veranstaltung soll wieder mit dem in die Kritik geratenen Motiv beworben werden.

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