Kurios: Stieger-Prozess kurzfristig "geplatzt". Anklage wegen gefährlicher Drohung: Verhandlung findet nicht in Krems statt, obwohl Richterin "unbefangen" ist.

Erstellt am 12. Januar 2015 (08:29)
Reinhard Resch
NOEN, Johann Lechner

Zeugen waren geladen, und der Verhandlungstermin war amtlich festgesetzt: Der seit Wochen inhaftierte Franz Stieger sollte am Mittwoch in Krems angeklagt werden. Doch der Prozess wurde im letzten Moment abgesetzt.

Hintergrund: Die Justizbehörden wollen Stieger offenbar keine „Munition“ für Berufungsverfahren geben. Denn die Verhandlung sollte ausgerechnet am Landesgericht Krems stattfinden, mit dem der Beschuldigte seit Jahren einen Kleinkrieg führt.

Interessant: Die nominierte Strafrichterin Monika Fasching-Lattus fühlt sich nicht „befangen“. Sie hatte mit Stieger bisher nichts zu tun. Dennoch wurde kurzfristig entschieden, den Prozess „sicherheitshalber“ an einem anderen Gerichtsstandort zu eröffnen.

In dem Verfahren geht es um den Vorwurf „gefährliche Drohung“. Stadtchef Reinhard Resch hatte Stieger angezeigt.

Mail an Resch

Es war im September des Vorjahres. „Guten Tag, Herr Bürgermeister! Schauen Sie sich den Beitrag gut an!“ Stadtchef Reinhard Resch las die Mail-Nachricht – und schreckte zurück. Denn im Anhang befand sich ein Auszug aus einem aktuellen Zeitungsartikel mit dem Titel „Ein Land sieht rot – Österreicher werden immer aggressiver.“ Absender: Franz Stieger. Resch fühlte sich bedroht, zumal der letzte Absatz der Reportage einen Hinweis auf einen spektakulären Mord enthielt.

Stieger behauptet, er habe den Bürgermeister nicht bedrohen wollen. Den Inhalt des Artikels habe er vor dem Absenden nicht gelesen. Angeklagt wird er trotzdem.