Krems: Menschenmassen bei Foodtruck-Gastspiel. "Was ist in der Pfarre St. Veit los?", fragten sich Besucher des Wochenmarktes am vergangenen Samstag. Hunderte Menschen pilgerten in den Pfarrhof, viele standen (oft ohne Abstand und Maske) dort herum, manche aßen und tranken.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 15. April 2021 (21:05)
Pfarrer Franz Richter war wegen der Menschenmassen in Sorge um den Ruf der Stadtpfarre St. Veit, auf die der erste Verdacht einer Großveranstaltung fiel.
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Mehrere Menschen brachten gegenüber der NÖN ihren Unmut über das Treiben zum Audruck. Tenor: Da halten sich die meisten Zeitgenossen an die Corona-Regeln, und ausgerechnet die Pfarre macht eine Veranstaltung, wo das alles keine Rolle spielt.

Ein solcher Foodtruck stand am Wochenende im Propsteiweingut und zog hunderte Kunden an, die sich zum Teil nicht um Corona-Vorschriften scherten.
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Pfarrer war "extrem sauer"

Dass die Stadtpfarre durch die Vorgänge in ein schiefes Licht gerückt wurde, war der Hauptgrund dafür, dass Pfarrer Franz Richter nach eigenen Worten "extrem sauer" war, als er von einem Auswärtstermin zurückkam und der Situation ansichtig wurde. Im NÖN-Telefonat war er bemüht über die Vorgänge in seinem Wirkungsbereich aufzuklären.

Nur Durchgang war erlaubt

"Andreas Eder vom Propsteiweingut hat mich gefragt, ob der Foodtruck der Hofmeisterei Hirtzberger aus Wösendorf in seinem Bereich stehen dürfte", erzählt Richter. Dieses Weingut liegt im hinteren Bereich der Pfarr-Gründe zwischen Pfarrplatz und Schmelzgasse. "Es ist nur darum gegangen, dass die Leute bei uns durch den Hof durchgehen dürfen. Das habe ich erlaubt." Ein Aufenthalt so vieler Menschen dort sei nicht im Plan gewesen.

Zweite Chance für Veranstalter

Nach dem ersten großen Ärger über die unzeitgemäßen Menschenmassen und dem Vorsatz, so etwas nicht mehr zu dulden, gab es Mitte der Woche ein klärendes Gespräch. "Ich will den Foodtruck-Betreibern nichts Böses. Daher kriegen sie eine zweite Chance", meinte der Pfarrer im NÖN-Telefonat am Donnerstag. "Allerdings muss der Zugang über die Hinterseite, die Schmelzgasse, erfolgen. Es wird kein Heruntergehen Richtung Pfarrhof geben." Ihm sei "hoch und heilig versprochen" worden, dass die Besucherströme diesmal geordnet und kanalisiert würden.

Sicherheitskonzept erstellt

"Wir arbeiten völlig Corona-konform", betont Harthmut Rameder, der Chef der Hofmeisterei. "Wir haben Hinweise aufgestellt und einen eigenen Security-Mitarbeiter dabei." Man habe ein Sicherheitskonzept entworfen, alle Mitarbeiter seien tagesaktuell getestet. Allerdings gesteht Rameder auch zu: "Was in mehr als 50 Metern Entfernung passiert, kann man nicht verhindern."

"Wollen niemandem schaden!"

Dass die Gäste nicht mehr durch den Pfarrhof gehen dürften, sei in Ordnung. "Ich will weder, dass schlecht über uns geredet wird, noch, dass wir jemand anderem schaden", bedauert Rameder, dass die Pfarre die Schelte abbekommen habe. Neid an seinem erfolgreichen Geschäftsmodell, mit dem er am Donnerstag dieser Woche bei der DPU in Stein Halt gemacht hat, am Freitag und Samstag nochmals im Propsteiweingut steht und am Sonntag in Palt im Weingut Malat zu Gast ist, sieht er nicht angebracht: "Jeder Gastwirt kann dasselbe machen!"

Menschen "sozial ausgedürstet"

Er verkaufe nur Speisen in verschlossenen Packungen, Getränke in verschlossenen Gebinden. Besteck und Becher gebe es allerdings dazu. Dass der Bedarf am qualitativ hochwertigen Angebot vorhanden sei, zeige der große Zuspruch. Rameder: "Die Menschen sind sozial ausgedürstet!" Und zudem habe er Verantwortung für sein Team. 16 Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, immerhin 16 aber dank des boomenden Foodtruck-Konzepts in Beschäftigung.