Nahversorger: „Gehören zum Ort wie Schule“. Betreiber von Nahversorgern sprechen über deren lokale und soziale Bedeutung und das schwierige Geschäftsumfeld.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 26. November 2019 (04:57)
„Wir gehören zum Ort wie die Schule oder die Kirche“: „Nah & Frisch“-Betreiber Gerald Ebner, Mitarbeiterin Bettina Presslmayer und Filialleiterin Michaela Heiß (im Bild von links) präsentieren regionale Köstlichkeiten aus ihrem Markt in Rohrendorf. Trotz Konkurrenz durch Einkaufszentren und Gewerbepark erwirtschafte man gemeinsam mit den sechs Mitarbeitern ausreichend Umsatz.
Foto: Johannes Mayerhofer

„In vier Jahren ist vermutlich Schluss!“ Wenn es um die Zukunft seines kleinen „Nah & Frisch“-Ladens geht, macht sich Robert Papst wenig Hoffnungen. „Ich bin dann in Pension, und wenn sich niemand finden lässt, der all das fortführt, dann war’s das“, erklärt der 54-Jährige nüchtern. Seit 2005 leitet er den Hollenburger Nahversorgungsladen, der bereits seit fünf Generationen besteht.

Dass er die Rolle des Nahversorgers gerne macht, daran lässt Papst zwar keinen Zweifel, jedoch: „Mit 60 bis 70 Arbeitsstunden pro Woche muss man rechnen. Urlaub gibt es eine Woche im Jahr. Ansonsten würde sich all das kaum rechnen.“

Zusatzleistungen wie Hauslieferungen seien unerlässlich. Größtenteils beliefere er private Haushalte, aber auch Altenheime. „In Ortschaften, die unter 1.000 Einwohner haben, kommt man mit dem lokalen Verkauf nicht aus“, so Papst. Rund 700 bis 800 Kunden habe er pro Woche. Eine davon ist Tamara Smutny, die vor einiger Zeit nach Hollenburg gezogen ist, aber den „Nah & Frisch“-Laden bereits lieb gewonnen hat. „Ich bin im Moment im Mutterschutz und da ist so ein Laden direkt vor der Tür sehr praktisch“, erzählt die zweifache Mutter. Außerdem schätze sie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wenn ihr Papst mit dem Kinderwagen über eine Schwelle beim Ladenausgang hilft.

Etwa 70 Prozent seiner Kunden seien „alte Leute“, wie Papst meint. „Da kommt es auch vor, dass man jemanden nach dem Einkauf heimfahren muss, weil die Kraft nicht mehr reicht.“ Sozial müsse man sein als Nahversorger. Der Tisch im Vorraum des Ladens werde auch häufig zum gemütlichen Zusammensein und Tratschen verwendet.

"Müssen mit besonderen Angeboten punkten"

Eine wichtige Rolle als sozialer Treffpunkt spielt auch der „Nah & Frisch“-Markt in Rohrendorf. „Wir haben jeden Vormittag eine Runde von Leuten, die sich hier zum Kaffee treffen“, meint etwa Filialleiterin Michaela Heiß.

Sie und Betreiber Gerald Ebner übten sich im „Zwangsoptimismus“. Der Umsatz sei zwar „in Ordnung“, doch der Nahversorger stecke zwischen zwei Konkurrenten: Östlich habe man den Gewerbepark und westwärts mit dem Bühl Center und dem „Mariandl“ zwei Einkaufszentren direkt vor der Tür. Laut Ebner sind zwei Dinge wichtig, damit Nahversorger überleben: „Es braucht Bewusstsein, dass große Einkäufe im Großhandel o. k. sind, dass aber für kleinere Einkäufe das Sortiment beim Nahversorger ausreicht. Und wir müssen mit besonderen Angeboten punkten.“ Er verweist auf Rohrendorfer Weine oder das bekannte „Bruckner Brot“ aus Theiß, das unter dem Motto „Aus’m Dorf“ verkauft werde. Pläne, wie die Einrichtung eines Sammeltaxis, welches vor allem älteren Kunden den Weg zum Einkauf erleichtern soll, stecken noch in den Kinderschuhen.

Was die Funktion der Nahversorger als Postpartner angeht, ist Ebner pessimistisch. So werde die Post demnächst Entgelte für Retourpakete kürzen. „Da überlegt man als Nahversorger dann schon, ob man in Zukunft noch Postpartner sein will.“

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