Öffentlicher Verkehr: Auferstehung der Stadtbahn . Studie der FH St. Pölten zum „ewigen Projekt“ ist fertig. Umsetzung wohl nicht vor 2030.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 21. April 2021 (04:46)

Es war Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel (SPÖ), der 2002 erstmals eine Stadtbahn für Krems vorschlug. 19 Jahre und unzählige gescheiterte Anläufe, das Projekt endlich anzugehen später, ist die Idee eines innerstädtischen Zugverkehrs zurück auf dem Tapet. Studierende des Lehrgangs Bahntechnologie und Mobilität an der Fachhochschule St. Pölten haben eine Studie zur Machbarkeit des Projekts durchgeführt und vergangene Woche den Mitgliedern des Mobilitätsausschusses des Gemeinderats per Videokonferenz vorgestellt. Zuvor hatte die Stadt die Variantenanalyse, die der NÖN vorliegt, im Rahmen der Erstellung eines Mobilitätskonzepts in Auftrag gegeben.

Hoher Bedarf und viel weniger Treibhausgase

Das Ergebnis: „In einer Stadt mit circa 24.000 Einwohnern“ liege ein „hoher Bedarf eines schienengebundenen Massentransportmittels“ vor, ist in dem 44 Seiten starken Präsentationspapier nachzulesen. Und: „Durch die Einführung eines Stadtbahnsystems“ sei eine „massive Reduktion an Flächenverbrauch und Treibhausgasemissionen möglich.“

Für eine Stadtbahn in Krems spricht nicht nur der Faktor Umwelt. Zwischen den geplanten Start- und Endpunkten des Schienenverkehrs in Stein und Landersdorf bedarf es dank der bestehenden Bahntrasse keiner neuen Gleise. Das Gros der Investitionen wäre demnach vorwiegend für die Errichtung und Adaptierung von Haltestellen erforderlich, die gemäß der FH-Studie beim Campus, der Sportmeile, dem Bahnhof, Krankenhaus und Bühl Center/Mariandl geplant sind. Die Kosten dafür betragen rund drei Millionen Euro. Empfohlen wird die Einführung eines Stunden- oder Halbstundentakts, um so eine „gesamthafte Netzwirkung mit den schienengebundenen Anschlussverbindungen im Bahnhof Krems zu erreichen“. Außerdem plädieren die Studienautoren für eine Verwendung von Elektro- und Batteriezügen, wenngleich „dem hohen Nutzen von Elektrofahrzeugen hohe Errichtungskosten für die Oberleitungsinfrastruktur gegenüber“ stünden.

Verkehrsstadtrat drückt auf die Euphoriebremse

Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel drückt vorerst auf die Euphoriebremse. Im Mobilitätsausschuss sprach er von einer Umsetzung frühestens im Jahr 2030. Der NÖN gegenüber erklärt er, warum: „Die Ergebnisse waren durchaus erfreulich, bergen aber in sich noch viele Abklärungen und Entscheidungen.“ Es bedürfe nun weiterführender Gespräche, „ob diese zukunftsorientierte Idee auch breite Unterstützung findet.“ Grundsätzlich sei eine Stadtbahn „als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs“ aber ein Beitrag zum Klimaschutz.

FPÖ-Verkehrssprecher Martin Zöhrer fordert indes ein klares Bekenntnis des Bürgermeisters und des Gemeinderats zu dem Projekt: „Es müssen jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, dass diese brachliegende Ressource eher genutzt werden kann.“ Zöhrer sieht die Stadtbahn als Schlüssel zu einer „ordentlichen Ost-West-Direktverbindung“. Beim neuen Stadtbussystem sei die Schaffung ebendieser verabsäumt worden.

Eine Kritik, der Scheichel widerspricht: „Die stauanfällige Ost-West-Verbindung hat mit diesen Überlegungen überhaupt nichts zu tun. Gemeinderat Zöhrer wurde von Verkehrsexperten schon mehrfach zur Kenntnis gebracht, dass er mit seiner Sichtweise danebenliegt.“

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