Patient verweigerte „Spende“: Rauswurf!. Psycho-Therapeutin hebt Beitrag für Kaffee und Wasser ein. Wer verweigert, soll die Gesprächsgruppe verlassen.

Von Karl Pröglhöf. Erstellt am 01. September 2016 (07:52)
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Weil er sich weigerte, einen „freiwilligen“ Obolus für Kaffee, Zucker, Milch und Wasser in die Spendenkassa zu werfen, wurde ein Patient einer Kremser Psycho-Therapeutin aus der Gruppensitzung geworfen.

Daniel V. (Name geändert) war neu in der Praxis der Therapeutin und mit den Gepflogenheiten nicht vertraut. Dass man nämlich seine Anwesenheit mit Datum und Unterschrift in einer Karteikarte bestätigen muss, gleichzeitig aber auch fünf Euro für die Unkosten in eine Spendenbox werfen soll …

Fünf Euro für Unkosten in Spendenbox

Beim ersten Mal hatte der Klient kein Geld bei sich, beim zweiten Mal wurde er darauf hingewiesen, dass auch der Beitrag für die erste Sitzung noch ausständig sei, und als er sich beim dritten Mal weigerte, etwas zu den Unkosten beizutragen, weil er selbst Wasser mitgebracht hatte und so das Angebot nicht in Anspruch nahm, wurde der Patient von der Therapeutin aufgefordert, die Sitzung zu verlassen, weil er „zu viel Konfliktpotenzial“ in die Sitzung bringe.

„Bei durchschnittlich sieben Teilnehmern pro Sitzung verschafft sich die Frau hochgerechnet ein ganz schönes, unversteuertes Körberlgeld“, machte Daniel V. seinem Ärger und dem Unverständnis in der Servicestelle der NÖ Gebietskrankenkasse Luft.

Seitens der Beschwerdestelle ging man der Sache nach, stellte aber fest, dass „es keinen vertragswidrigen Konsumationszwang gegeben hat.“ Es habe sich wohl um ein Missverständnis gehandelt, das die Vertrauensbasis erschüttert habe.

Therapeutin entschuldigte sich

Daran hat auch der Anruf der Therapeutin mit einer Entschuldigung für die Überreaktion und dem Ersuchen, wieder in die Sitzung zu kommen, bei Daniel V. nichts geändert.

Dem Patienten wird von der Krankenkasse empfohlen, sich an die Clearingstelle für Psychotherapie zu wenden: „Dort verfügt man über eine Liste mit allen Therapeuten und ist bemüht, einen passenden Gesprächspartner zu finden.“