Krems

Erstellt am 10. Januar 2017, 04:25

von Petra Vock

Rauchverbot bis 18: Schutz für junge Lungen?. Während der Lungen-Primar strengere Gesetze begrüßt, sind die Trafikanten skeptisch.

In kaum einem Land rauchen so viele Jugendliche wie in Österreich. Der Kremser Primar für Lungenheilkunde warnt vor den gesundheitlichen Folgen.  |  NOEN, Shutterstock/Sasa Prudkov

Als Arzt ist er täglich mit den Folgen des Rauchens konfrontiert: Peter Errhalt, Leiter der Abteilung für Lungenheilkunde am Universitätsklinikum Krems, ist froh über das geplante Rauchverbot bis 18. Die jungen Lungen und Bronchien seien nämlich bis etwa 20 besonders verletzlich. Zweitens: „Wer mit 18 noch nicht begonnen hat zu rauchen, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, Nichtraucher zu bleiben.“

„Die zweitschlechteste Gesetzgebung Europas“

Dass in Österreich bereits so viele 15-Jährige rauchen wie in keinem anderen OECD-Land, führt Errhalt auf die „zweitschlechteste Anti-Raucher-Gesetzgebung in Europa“ zurück: „Es ist in ganz Westeuropa undenkbar, dass – so wie in Österreich noch immer – in Lokalen geraucht werden darf.“ In Staaten mit absolutem Rauchverbot in Lokalen und öffentlichen Gebäuden sei übrigens die Herzinfarktsterblichkeit innerhalb eines Jahres um 8 bis 20 Prozent gesunken.

Errhalt warnt auch vor den bei Jugendlichen beliebten Shishas: „Die gesundheitlichen Folgen unterscheiden sich mit großer Sicherheit nicht vom Zigarettenrauchen: Blasenkrebs, Lungenkrebs, Krebs im HNO-Bereich, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele mehr sind bei Shisha-Rauchern genauso häufig wie bei Zigarettenrauchern.“

Auch E-Zigaretten sieht er kritisch: „Aus Sicht der Tabakindustrie ist die E-Zigarette die ,ideale Einstiegsdroge‘ für leicht beeinflussbare Jugendliche.“

„Alkohol und Wählen mit 16, Rauchen mit 18 – warum?“

Skeptischer als der Lungen-Primar bewerten die Kremser Trafikanten ein Rauchverbot bis 18. Einen riesigen Verdienstentgang befürchten sie laut eigener Aussage zwar nicht. Das Rauchen komme bei Jugendlichen sowieso nicht mehr so gut an wie noch vor einigen Jahren, so Klaus Schöndorfer. Auch die Trafikanten Barbara Görg und Andreas Amsüss weisen darauf hin, dass der Großteil ihrer Kundschaft schon über 18 sei.

Görg bezweifelt aber, dass ein Rauchverbot bis 18 etwas bringen wird: „Die Jugendlichen können sich die Zigaretten dann über Umwege besorgen“, gibt sie zu bedenken. Ähnlich sieht es Schöndorfer: „Wir wissen: Wenn sie Zigaretten wollen, bekommen sie sie irgendwo her. Jeder 15-Jährige kennt einen 18-Jährigen.“ Wichtiger als Verbote wären laut Schöndorfer daher Bewusstseinsbildung im Elternhaus und Prävention.

Auf Unverständnis stoßen bei den Trafikanten die ungleichen Maßstäbe: „Alkohol gibt es mit 16, wählen darf man mit 16, aber Rauchen erst mit 18 – warum?“, fragt sich Görg.

Außerdem werde künftig die Ausweis-Kontrolle peinlicher, befürchtet Schöndorfer: „Zwischen 18 und 25 sind die Leute kaum noch zu unterscheiden.“

Für die gesundheitlichen Argumente zeigen aber die meisten Trafikanten Verständnis: „Das Ziel muss natürlich sein, die Jugendlichen vom Rauchen wegzubringen“, so Amsüss, „es betrifft ja auch meine Kinder.“

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