Skurril! Fahrerflucht-Opfer droht Geldstrafe. Frau wurde angezeigt, weil sie Schaden an ihrem Auto erst nach zwei Stunden gemeldet hat.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 14. August 2019 (06:02)
Johann Lechner
Den beschädigten Seitenspiegel ihres Pkw hat Ulrike Hauenschild schon reparieren lassen. Viel teurer könnte es für die Furtherin aber jetzt werden, weil sie erst zwei Stunden, nachdem ein Lieferwagen in Krems ihr Auto touchiert hatte, zur Polizei ging. Foto: Johann Lechner

Fahrerflucht ist für die Betroffenen ein Ärgernis. Oft können die Übeltäter nicht ausgeforscht werden. Ein Opfer davon wurde kürzlich Ulrike Hauenschild, für die es nun sogar noch dicker kam. Aber von vorne: Die Furtherin parkte ihr Auto in einer engen Stelle in der Steiner Kellergasse, um ihre Eltern zu besuchen.

Vom Küchenfenster aus beobachtete sie wenig später, wie ein weißer Lieferwagen beim Vorbeifahren den Seitenspiegel ihres Pkw beschädigte. „Ich bin nicht zur Polizei gefahren, weil ich meine Eltern nicht fluchtartig verlassen wollte. Mein Papa ist momentan bettlägerig.“

Rund zwei Stunden später zu Hause angekommen, entschied sich die Furtherin dann doch dafür, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. „Dort sagte man mir, ich hätte gleich hinterherfahren sollen.“ Einige Tage nach dem Vorfall bekam Hauenschild einen unerfreulichen Anruf von der Polizei: Sie werde angezeigt, weil sie die Fahrerflucht sofort melden hätte müssen. Die Bezirkshauptmannschaft entscheide nun über die Strafe.

Rechtlich ist dieses Vorgehen gedeckt, wie ein Kremser Anwalt der NÖN bestätigt: „Eine Fahrerflucht schließt jeden Teilnehmer ein, der an dem Unfall beteiligt war. Also auch das Opfer. Es ist jedoch höchst kurios und ist mir noch nie untergekommen, dass das Opfer Schwierigkeiten bekommt.“ Hauenschild droht laut dem Experten für Verkehrsrecht als „Ersttäterin“ im Normalfall eine Strafe zwischen 500 und 600 Euro.