Hirtzberger: Wie viel Strychnin passt ins Mon Cheri?. Wiederaufnahmeantrag Helmut Osbergers bei Gericht eingelangt. Entscheidung über neues Strafverfahren wohl erst 2019.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 30. Oktober 2018 (06:22)
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Helmut Osberger (li.) behauptet, er sitzt seit knapp zehn Jahren unschuldig im Gefängnis. Rechts Osbergers Anwalt Wolfgang Blaschitz. Fotos: APA/Pfarrhofer (Osberger) bzw. APA/Robert Jäger (Blaschitz)

Einer der aufsehenerregendsten österreichischen Kriminalfälle der jüngeren Vergangenheit findet seine Fortsetzung. Helmut Osberger, der 2008 den Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger mit einer mit Strychnin versetzten Mon-Cheri-Praline vergiftet hatte, hat über seinen Anwalt Wolfgang Blaschitz einen Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens beim Landesgericht Krems gestellt.

Wie konnte sich Osberger die Gutachten leisten?

Grundgerüst des samt Beilagen circa 30 Seiten starken Wiederaufnahmeantrages sind zwei Gutachten, die sich mit dem Strychnin-Gift befassen. Die zentrale Aussage: Das Gutachten des Sachverständigen der Verhandlung 2008, Christian Reiter, sei fehlerhaft. „Der zentrale Befund und das Gutachten des Sachverständigen Reiter laufen Grunderkenntnissen der Naturgesetze zuwider“, heißt es in dem der NÖN vorliegenden Wiederaufnahmeantrag.

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Helmut Osberger behauptet, er sitzt seit knapp zehn Jahren unschuldig im Gefängnis.

So entspreche die vorgenommene Berechnung der von Hirtzberger aufgenommenen Strychnin-Menge auf Grundlage eines Urinbefundes nicht den neuesten wissenschaftlichen Kenntnissen.

Unter Verwendung eines Pharmakokinetikprogramms betrüge die Strychnin-Menge, die Hirtzberger aufgenommen hat, nämlich statt der von Reiter angegeben 0,7 Gramm ganze fünf Gramm, die wiederum nicht in einem Mon Cheri Platz hätten.

Ob Osbergers Gutachten tatsächlich zu einer Neudurchführung des Strafverfahrens führen, das entscheidet ein Senat aus drei Richtern. Wie lange die Prüfung des Antrages dauert, ist laut Ferdinand Schuster, Vizepräsident des Landesgerichts Krems, unklar.

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Osbergers Anwalt Wolfgang Blaschitz.

Anwalt Blaschitz vermutet aber, dass die Entscheidung erst 2019 ergeht. „Zuerst bekommt die Staatsanwaltschaft den Antrag zur Stellungnahme. Die wird sich mit Sicherheit dagegen aussprechen. Ich glaube aber nicht, dass sie eine Chance hat. Der Sachverständige hat es damals mit der Wahrheit nicht so ernst gemeint.“

Wie sich Osberger, der selbst über keine Geldmittel mehr verfügt, Gutachten zweier hoch-renommierter Experten leisten hat können, weiß Blaschitz übrigens nicht. Dem Vernehmen nach soll der ehemalige Heurigenwirt aber spezielle Konditionen erhalten und noch immer einige zahlungswillige Freunde haben.

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