Spitzer Gift-Krimi: Antworten lassen auf sich warten. Gutachter erhielt Fristverlängerung für Beantwortung des Fragenkataloges. Osberger-Anwalt ist von langer Wartezeit genervt.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 10. April 2019 (06:31)
Jutta Hahslinger
Gutachter Christian Reiter braucht für seine Antworten Zeit.

16 Fragen übermittelte das Landesgericht Krems Ende November an Christian Reiter, den Sachverständigen im Fall des 2008 vergifteten Hannes Hirtzberger. Die Frist zur Beantwortung des Fragenkataloges: acht Wochen. Demnach hätten die Antworten schon Ende Jänner beim Landesgericht eintrudeln müssen.

Mit Stand vom 5. April wartet man dort aber immer noch darauf. „Die Frist ist bis Ende März verlängert worden“, teilt Ferdinand Schuster, Vizepräsident des Landesgerichts, auf NÖN-Anfrage mit. Reiter habe aufgrund der zeitlich aufwendigen Beantwortung, die auch Experimente seinerseits erfordert, selbst um Aufschub angesucht. Dass Reiter nun auch die zweite Frist verstreichen ließ, dürfte ohne Konsequenzen bleiben.

Blaschitz: „Ist ein Witz, dass er sich so lange Zeit lässt.“

Wolfgang Blaschitz, Anwalt von Helmut Osberger, der wegen des Attentats auf Hirtzberger zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und nun das Verfahren neu aufrollen möchte, ist von der langen Wartezeit genervt: „Es ist ein Witz, dass er sich so lange Zeit lässt.“

In dem unwahrscheinlichen Fall, dass Reiter gar keine Antworten liefern sollte, wäre der Wiener Anwalt übrigens auch nicht unglücklich. „Keine Antwort ist auch eine Antwort. Das Gericht muss dann die vorhandenen Beweismittel abwägen.“ Und durch die sieht sich Blaschitz im Vorteil, schließlich legte er zum Wiederaufnahmeantrag zwei Experten-Gutachten vor, die zum einen Reiters Eignung als Sachverständiger im Fall Hirtzberger anzweifeln und zum anderen die Menge des Strychnin-Gifts im Körper des heute im Wachkoma liegenden ehemaligen Bürgermeisters von Spitz höher beziffern, als von Reiter angegeben. „Ich bin mehr denn je zuversichtlich“, sagt Blaschitz.

Wann es zu einer Entscheidung betreffend den Wiederaufnahmeantrag kommt, traut sich niemand zu prognostizieren. Laut Schuster ist es auch möglich, dass der Drei-Richter-Senat, der mit dem Verfahren betraut ist, nach Erhalt von Reiters Antworten noch Ergänzungsfragen an den Gerichtsmediziner hat.