Stein: Wenig Freude über Drohnenabwehr

Die Justizanstalt Stein bekommt zwei „Drohnenpistolen“. Für die Ausbildung am Gerät sieht Personalvertreter aber keine Zeit.

Franz Aschauer
Franz Aschauer Erstellt am 21. August 2018 | 01:41
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Kameras machen ein gezieltes Steuern von Drohnen möglich. Auch innerhalb der Mauern der Justizanstalt Stein?
Foto: Maria Dryfhout/Shutterstock.com

„Gerade in der letzten Zeit bestand der immer konkretere Verdacht, dass illegale Gegenstände in die Haftanstalten verbracht worden sind.“ Mit diesen Worten begründete Justizminister Josef Moser (ÖVP) im Interview mit „Servus TV“ die Einführung von Drohnenabwehrsystemen in fünf österreichischen Justizanstalten. Eine davon ist die Schwerverbrecher-Heimat Stein.

In Österreichs größter Justizanstalt hat man in der Vergangenheit schon so seine Erfahrungen mit Drohnen gemacht. Ende 2016 gab es seitens der Belegschaft erste Meldungen über Drohnensichtungen. Die Beunruhigung damals war groß. „Die Drohnen könnten Häftlinge mit Handys, Drogen oder Waffen beliefern“, befürchtete ein Justizwachebeamter.

Nur wenige Wochen später gab es dann erneut Aufregung: Bei Dacharbeiten wurde ein mit drei Handys gefüllter Socken gefunden. Personalvertreter-Chef Roman Söllner vermutete eine missglückte Drohnen-Lieferung dahinter. Die Anstaltsleitung glaubte hingegen, das mit Klebeband verschlossene Kleidungsstück sei über die Mauer geworfen worden.

Vom Ministerium bekam die Justizanstalt Stein nun jedenfalls zwei „Drohnenpistolen“, mit denen Netze abgefeuert werden, die Drohnen zum Absturz bringen sollen. Ein Probebetrieb soll ab jetzt bis März 2019 laufen.

„Sind von Probebetrieb noch weit entfernt!“

In Stein widerspricht man der Ankündigung, mit der Pilotphase werde sofort gestartet. „Davon sind wir noch weit entfernt! Ich bin über die Aussagen des Ministers nicht sehr erfreut. Wir haben ein massives Problem mit dem Personalstand, da haben wir nicht einmal die Zeit für Einschulungen am Gerät“, ist Söllner verärgert.

Bislang gebe es lediglich ein halbes Dutzend Instruktoren, die geschult wurden. Anstaltsleiter Christian Timm durfte sich zu dem neuen Drohnenabwehrsystem auf Geheiß des Ministeriums nicht äußern. „Weitergehende Informationen zu dem Thema sind leider nicht zulässig, da es sich um eine sicherheitsrelevante Einrichtung handelt“, teilte Ministeriumssprecherin Britta Tichy-Martin mit.