Wie Schiele Stein sah: Christian Bauer im Interview. Landesgalerie-Direktor Christian Bauer sprach mit der NÖN über das wertvollste Krems-Bild, das es gibt.

Von Petra Vock. Erstellt am 19. Januar 2020 (03:39)
Erstmals und nur noch bis 16. Februar in Stein zu sehen: Stein-Ansicht, gemalt von Egon Schiele. Das Bild kehrt in wenigen Wochen ins Wiener Leopold Museum zurück und wird dort Teil der neuen Ausstellung „Hundertwasser – Schiele“.Museum, Wien/Julia Spicker
Leopold

Niederösterreichs berühmtester Maler Egon Schiele malte vier Bilder von Stein. Eines ist bis 16. Februar in der Landesgalerie zu sehen. Direktor Christian Bauer verriet der NÖN, was es damit auf sich hat.

NÖN: Egon Schiele hat vier Bilder von Stein gemalt, von denen eines derzeit in der Landesgalerie zu sehen ist. Was weiß man über die Umstände der Entstehung?

Christian Bauer: Schiele kam im März 1913 hierher und plante vier Bilder von Stein, von der gegenüberliegenden Donauseite und vom Kreuzberg aus. Die zwei großen wollte er dem Sammler Franz Hauer verkaufen, die zwei kleinen Tafelbilder dem Sammler und Industriellen Karl Reininghaus. Und sein Konzept ist genau so aufgegangen!

Landesgalerie-Direktor Christian Bauer: „Krems-Bild mit Wow-Effekt!“
F: Kalchhauser

Warum malte er gerade Stein?

Bauer: Krems-Stein war ein Sehnsuchtsort von ihm. Hier war er in der Kindheit, hat am BRG Ringstraße seine leider sehr, sehr erfolglose Gymnasialkarriere begonnen und die Stadt kennengelernt. Er ist später immer wieder hergekommen und hat Krems und die Wachau über alles geliebt. Es gibt Postkarten, wo er richtig ins Schwärmen kommt.

Das Stein-Bild, das in der Landesgalerie ausgestellt ist, gehört dem Wiener Leopold Museum. Wo muss man hinreisen, um die anderen drei zu sehen?

Bauer: Heute sind drei der vier Stein-Ansichten in den USA. Die beiden kleinen sind dort in Privatbesitz, und eine der beiden großen befindet sich in der Neuen Galerie von Ronald Lauder in New York. Dort kann man auch Klimts „Goldene Adele“ sehen.

Was macht das Besondere von Schieles Stein-Bildern aus?

Bauer: Die Bilder sind befreit von moderner Technik und von Menschen. Was Schiele gesucht hat – in Krumau (Český Krumlov, Anm.) wie in Stein –, ist das mittelalterliche Wesen. Weiters organisiert er die Städte neu: Auf dem Bild des Leopold-Museums ist das Minoritenkloster zur Frauenbergkirche gerückt. Schiele bringt dadurch einen Bildwitz ein, der für Eingeweihte ein besonderes Erlebnis ist.

Ist es das berühmteste Landschaftsbild von Krems?

Bauer: Es ist sicher das Krems-Bild, das den größten Wow-Effekt bringt, und das mit Abstand wertvollste Krems-Bild, das je entstanden ist.

Das Bild ist noch bis 16. Februar in der Landesgalerie zu sehen. Was passiert danach damit?

Bauer: Es ist eine Leihgabe des Leopold Museums in Wien und kehrt anschließend wieder dorthin zurück.