Suche nach Kompromiss wegen Bauprojekt. Der Abriss zweier Schillerstraßen-Häuser und die Errichtung von Wohnungen sorgen für massive Kritik der Anrainer, die jetzt auch Bürgermeister Reinhard Resch anhörte.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 30. Januar 2020 (12:16)
Die Schillerstraßen-Häuser 2 und 4: Geht es nach der Haring Group, werden sie dem Erdboden gleichgemacht.
Johann Lechner

Auch wenn die Häuser unbewohnt und schon lange nicht mehr in gutem Zustand sind – der Abriss der Nummern 2 und 4 in der Schillerstraße weckt Emotionen bei den Anrainern. Einerseits wegen des historischen Werts der Gebäude, andererseits mit Blick auf das Bauvorhaben, das die Wiener Haring Group möglichst bald in die Realität umsetzen möchte. 72 bis zu 80 Quadratmeter große Eigentumswohnungen sollen entstehen.

Der wohl größte Reizpunkt: die verbaute Fläche. Während der Chef-Projektentwickler der Haring Group, Günther Einwögerer, beteuert, das Projekt bereits verkleinert zu haben und dass die Grünfläche gleich groß bleibt, behaupten die Anrainer das genaue Gegenteil und stützen sich dabei auf die eingereichten Pläne, die die Haring Group ihren Kritikern zukommen ließ. „Davon, dass das Projekt bereits kleiner gemacht wurde, kann keine Rede sein. Die Haring Group versucht eindeutig, das Maximum rauszuholen. Auch die Grünfläche bleibt keineswegs gleich groß. Aktuell sind etwa 30 Prozent der Grundstücksfläche verbaut, laut Einreichplanung werden es fast 75 Prozent sein“, sagt Christoph Hiller, vom Brotberuf Vermesser. Seine Befürchtung: eine starke negative Beeinträchtigung der Wohnqualität durch Lärm- und Abgasemissionen, weniger Sonnenlicht und höhere Temperaturen durch die Versiegelung der Grünfläche.

Die Ehrlichkeit von Einwögerers Angaben zieht auch Gerlinde Mattanovich in Zweifel. „Es erschließt sich uns nicht, wie die Haring Group das Bauvorhaben kleiner gemacht haben will. Die Firsthöhe elf Meter vor den Wohnungen im hinteren Gartenbereich beträgt 15 Meter.“

Diese und noch viele weitere Sorgen tat Mattanovich am vergangenen Dienstag auch Bürgermeister Reinhard Resch in einem eigens einberufenen Termin kund. Es sei ein „gutes Gespräch“ gewesen, sagt die 55-Jährige, wenngleich sie mit dem Ergebnis „gar nicht zufrieden“ sei. „Ich habe nicht das Gefühl, dass er gegen uns ist, aber es fühlt sich so an, als ob wir uns selbst überlassen wären.“

Ein für vergangenen Freitag geplanter Termin zwischen Anrainern und Haring Group fand nicht statt, soll aber schon diesen Donnerstag nachgeholt werden.

Günther Einwögerer gab mit Verweis auf das anstehende Treffen keinen Kommentar zu den Kritikpunkten ab, wenngleich er diese „sehr ernst“ nehme. Bürgermeister Reinhard Resch ließ bis Redaktionsschluss eine NÖN-Anfrage unbeantwortet.