Tägliches Turnen: Zu wenig Platz?. Die „tägliche Bewegungseinheit“ ist nicht überall leicht umzusetzen. Mancherorts hapert es dabei an der Ausstattung.

Von Petra Vock. Erstellt am 06. Dezember 2017 (05:36)
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Turnstunde

„Das ist ein tolles Projekt. Die Kinder freuen sich wirklich auf diese Stunden.“ Sehr positiv sieht Marianne Matschi, Direktorin der Volksschulen Stein und Egelsee, das Pilotprojekt „Tägliche Bewegungseinheit“, das seit Schulanfang an einigen Kremser Schulen ausprobiert wird. Dabei kommen Bewegungscoaches von Sportvereinen und bieten zusätzliche Turnstunden an, um dem ungesunden Bewegungsmangel entgegenzuwirken.

In Egelsee nimmt die ganze Volksschule an dem Projekt teil (zwei Klassen), in Stein vorerst die 1. und 2. Klasse. Rechnet man die zusätzliche wöchentliche Turnstunde mit Bewegungscoach zum normalen Turnunterricht hinzu, so kommen die Kinder jetzt auf eine Stunde Bewegung pro Tag.

„Selbst wenn Bewegungscoaches in rauen Mengen kämen – wir haben nur einen Turnsaal, der von drei Schulen benützt wird.“

Alfons Russ, NMS Krems

„Auch von den Eltern gibt es dazu sehr viel positives Feedback“, berichtet Matschi. „Schließlich wissen wir, dass sich der Stresspegel nur durch Bewegung senkt.“ Matschi empfindet das Projekt als „echte Bereicherung“ und hofft, dass es fortgesetzt wird: „Wenn wir wissen, dass die zusätzliche Stunde weiter bezahlt wird, können wir den Stundenplan für nächstes Jahr entsprechend planen.“

„Die Kinder lieben diese Stunden“, zeigt sich auch Eva Brandstetter, Direktorin der Volksschule Rehberg, sehr angetan. Wie in Stein machen auch in Rehberg die 1. und 2. Klasse bei dem Pilotprojekt mit und haben somit jetzt täglich eine Turnstunde.

Doch so gut die zusätzliche Turnstunde klingt, sie ist nicht für alle leicht umzusetzen: „Den Kindern gefällt das irrsinnig gut, aber als Direktor habe ich organisatorische Bedenken“, sagt etwa Alfons Russ, Direktor der Neuen Mittelschule Krems.

Längere tägliche Bewegungspause

An der Neuen Mittelschule Krems nehmen derzeit probeweise zwei 1. Klassen an dem Pilotprojekt teil. Für alle zwölf Klassen der NMS hieße das, dass man für zwölf zusätzliche Wochenstunden den Turnsaal bräuchte – und der ist im Schulzentrum jetzt schon heiß begehrt: „Selbst wenn Bewegungscoaches in rauen Mengen kämen – wir haben nur einen Turnsaal, der von drei Schulen benützt wird“, verweist Russ auf die Polytechnische Schule Krems und die Allgemeine Sonderschule, die ebenfalls im Schulzentrum angesiedelt sind.

Was es heißt, wenn alle Klassen zusätzliche Turnstunden haben, weiß Daniela Ebner, Direktorin der Volksschule Hafnerplatz. Bei ihr nehmen alle sechs Klassen an dem Projekt teil. Zudem gab es eine schulautonome Pausenänderung, die eine längere tägliche Bewegungspause (20 Minuten) ermöglicht hat.

Verbesserungsbedarf bei Turnraum und Hof

Auch Ebner berichtet von einem Platzproblem: „Aufgrund der Turnraum-Auslastung ist es schwierig, alle Turnstunden entsprechend unterzubringen.“

Generell sieht sie noch Verbesserungsbedarf bei der Infrastruktur: „Unser Bewegungsraum ist recht klein für viele Kinder, und auch im Pausenhof wären noch Investitionen zu treffen, damit das ein schöner Freiraum wird.“

Für den Stadtpark-Spielplatz hätte sie ebenfalls einen Wunsch ans Christkind: „Der wäre für uns in fünf Minuten erreichbar, aber so wie er derzeit gestaltet ist, tue ich mir schwer mit meinen Schülern. Mit wenigen Maßnahmen – zum Beispiel einer Rutsche, einem Klettergerüst, einer Schaukel – könnte man da ein attraktiveres Angebot schaffen“, appelliert sie an die Stadtpolitiker.