Utzstraßen-Projekt: Skepsis wegen Kosten

Erstellt am 30. November 2022 | 05:40
Lesezeit: 4 Min
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In diesem Projekt der Verlängerung der Utzstraße bis zur B 3 samt Überplattung der Umfahrung schlummert großes Potenzial. Darin sind sich die meisten Fraktionen im Kremser Gemeinderat einig. Darüber, ob bzw. wie das Vorhaben umgesetzt werden kann, scheiden sich aber die Geister.
Foto: Martin Kalchhauser
Das von der Kremser NÖN wieder aufs Tapet gebrachte Projekt der Anbindung der Utzstraße an die Bundesstraße 3 samt Ideen für die Nutzung der Gründe mit den Österreichhallen und dem Eislaufplatz stößt in der Kremser Stadtpolitik auf Interesse. Doch Initiativen dafür dürften auf sich warten lassen. Ohne Kenntnis der Details will sich aber keine Kremser Fraktion aus der Deckung wagen.
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Die NÖN stellte allen Fraktionen Fragen zur Machbarkeit des seit 2003 (!) im Raum stehenden Vorhabens, zu Vorteilen für die Stadt (einer möglicherweise „kostenlosen“ Lösung mit Investoren) und einen Zeithorizont für die Umsetzung.

MFG-Mann Jochen Haslinger (neu im Gemeinderat) ließ uns wissen, dass ihm Infos fehlen. Markus Schwarz (Grüne) ging in seiner kurzen Antwort nicht auf die Fragen ein.

Klares „Ja“ zum Projekt von der Fraktion der NIK

Ein klares „Ja“ kommt von NIK (NEOS in Krems). Robert Simlinger glaubt aber nicht an eine „Gratis-Lösung“: „Wir können uns nicht vorstellen, dass das ohne Kosten für die Stadt abgehen wird.“ Was es brauche, sei eine konkrete umfassende Planung. Abhängig von potenziellen Investoren sei eine Realisierung innerhalb von fünf Jahren möglich. „Es gehört der gesamte Bereich inklusive Frachtenbahnhof samt Standort für die neue Veranstaltungshalle in die Planungen einbezogen.“

Als „neu aufgewärmt, aber nicht dem Zeitgeist entsprechend“ sieht KLS-Chef Wolfgang Mahrer die Sache. Andere Städte versuchten, den Verkehr hinauszubringen. „Warum soll sich Krems zugunsten privater Interessenten in die entgegengesetzte Richtung entwickeln?“

Kremser dürfen nicht zu „Zahlmeistern“ werden

Mahrer fehlen konkrete Finanzierungs- und Risikoübernahme-Details. An ein „Nullsummenspiel“ für die Stadt glaubt er nicht. „Zu oft wurden in Krems Privaten zuliebe Werte der Stadt verscherbelt“, erteilt er einem Vorhaben privater Investoren eine Absage, das gelte auch für die betroffenen Gründe, die das „Tafelsilber der Stadt Krems“ seien. Die KLS werde sich „für die Kremser“ einsetzen, damit sie nicht „Zahlmeister für schöngeredete Ideen zur Bereicherung Einzelner“ werden.

Vorhaben „wünschenswert“, Frage bleibt: „Wer zahlt?“

Den politisch Verantwortlichen sei das Projekt lange bekannt, meint FPÖ-Frontfrau Susanne Rosenkranz und bezeichnet es als „überlegens- und wünschenswert“. Einschränkung: „Der Teufel liegt im Detail. Welche Grundstücke müssten abgetreten werden? Wollen die überhaupt verkaufen?“ Ebenfalls in Debatte: die Österreichhallen und ein neues Veranstaltungszentrum. Das alles führe zur Kernfrage: „Wer zahlt?“ Für Rosenkranz sind viele Faktoren offen, etwa, ob es die Investoren überhaupt schon gebe und was sie zu zahlen bereit seien. „Wir sind gerne bereit, uns bei der Überprüfung der Machbarkeit einzubringen. Für die Nennung eines Zeithorizonts sind aber viel zu viele Fragen offen.“

„Großes Potenzial“ ortet ÖVP-Vizebürgermeister Florian Kamleitner. Auch er mahnt aber zur Vorsicht beim „Familiensilber der Stadt“. Die Seestadt Aspern (Wien) ist für ihn ein Beispiel, dass neue Stadtteile in Partnerschaft von Privaten und Gemeinden (PPP-Modell) gelingen können. Allererster Schritt müsse jedenfalls ein Stadtentwicklungs- und Mobilitätskonzept sein. „Erst wenn alle Interessen, Kompetenzen und Eigentumsverhältnisse definiert sind, können stichhaltige Beträge errechnet werden“, fordert Kamleitner eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Stadt. „Das Utzstraßen-Areal hat Potenzial, daher macht eine professionelle Sondierung Sinn.“

„Meilenstein in der Stadtentwicklung“

„Das wäre ein Meilenstein in der Stadtentwicklung“, ist auch SPÖ-Stadtchef Reinhard Resch grundsätzlich positiv eingestellt. „Aber ich bin kein Träumer“, meint er zu einem möglichen Nullsummenspiel für die Kommune. Die Anbindung der Utzstraße an die Bundesstraße3 sei sinnvoll, „wenn man das groß denkt. Da gehören der Südtirolerplatz, die Ringstraße und das Parkhotel dazu.“

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