Drive statt Ride in Gneixendorf regt auf. Park-and-Drive-Anlage als vergebene „Jahrhundertchance“? Land sah für Busanbindung keinen Bedarf.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 12. November 2019 (05:41)
Die Park-and-Drive-Anlage an der B 37 in Gneixendorf ist von den Autofahrern früh wahrgenommen worden.
Johann Lechner, Martin Kalchhauser

Der letzte fehlende Puzzlestein des millionenschweren „2+1 Ausbaues“ der B 37 zwischen Stratzing und Gneixendorf war die Fertigstellung einer Park-and-Drive-Anlage. Autolenker, die Fahrgemeinschaften bilden, können hier ihren Pkw abstellen. Seit zirka zwei Wochen stehen die rund 50 Parkplätze zur Verfügung.

Die Auslastung ist gut. Der Kremser Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel, selbst ein Gneixendorfer, spricht gar von einer „Sensation, wie gut das angenommen wird“. Er hoffe schon jetzt darauf, dass der Parkplatz erweitert wird. Möglich wäre das allemal, schließlich sei theoretisch sogar Platz für rund 170 Stellplätze.

„Ich verstehe nicht, dass die Leute jetzt in ihren Autos sitzen und dem Wieselbus dort nachwinken können.“ Alfred Scheichel

Bei all dem Lob für die Park-and-Drive-Anlage vor den Toren von Krems kritisiert Scheichel eine „verpasste Gelegenheit“. Der SPÖ-Mann hätte gerne gleich eine Park-and-Ride-Anlage installiert und Wieselbusse sowie VOR-Busse angebunden: „Wir haben diesen Gedanken schon gehabt, als die Idee von der Anlage geboren wurde. Seitens des Landes kam aber die Information, wenn wir eine Park-and-Ride-Anlage wollen, müssen wir den Grund kaufen. Da wäre schon einiges an Kosten angefallen.“

Für die Errichtung des Parkplatzes in seiner jetzigen Form sei das Land zur Gänze aufgekommen. Die Stadt Krems zahle lediglich für die Wartung und Instandhaltung.

Der Kremser Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel hätte gerne eine Park-and-Ride-Anlage gehabt.
Johann Lechner, Martin Kalchhauser

Die Wichtigkeit einer Anbindung der Schnittstelle von Pendlern aus dem Kamptal ans Busnetz ist für Scheichel gar nicht hoch genug einzuschätzen. „Das ist eine Jahrhundertchance. Deswegen verstehe ich nicht, dass die Leute jetzt in ihren Autos sitzen und dem Wieselbus dort nachwinken können.“

Aus dem Büro von Landesrat Schleritzko heißt es auf Anfrage zu dem Thema: „Die Prüfung von Experten hat ergeben, dass ein zusätzlicher Halt des Wieselbusses keine positiven Effekte bringen würde. Ganz im Gegenteil: Pendler, die nördlich von Krems einsteigen, würden pro Woche über eine Stunde mehr Fahrtzeit haben.“ Gegen eine Busanbindung gesprochen haben auch die Einbindung in den bergauf mit Tempo 100 fahrenden Fließverkehr bei der Fahrt Richtung Gföhl und Fahrgasterhebungen, in denen die Austraße in Krems als Haltestelle sehr gut abgeschnitten habe.

Er hofft jetzt, dass zumindest der Kremser Stadtbus die Park-and-Drive-Anlage künftig anfährt. Von Scheichel gibt es dafür positive Signale. Eine Umsetzung ist allerdings frühestens mit Jahresende 2020 möglich, wenn Gneixendorf ins Stadtbusnetz aufgenommen wird.

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