Pflegezentren durchgeimpft: Impf-Neid als Aufreger. Mitarbeiter und Bewohner in Seniorenheimen in Krems und Brunnkirchen sowie im Pflegezentrum Langenlois sind geschützt . Keine Zwischenfälle. Heiße Debatten über „übrig gebliebene“ Dosen.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 27. Januar 2021 (05:21)
Auch Mitarbeiterin Anna Karatochvil ließ sich im Pflegezentrum Langenlois von Allgemeinmediziner Peter Tschiesche die Covid-Impfung verabreichen.
Martin Kalchhauser

„Wir sind durch!“ Claus Dobritzhofer, Leiter der SeneCura-Einrichtungen in Krems und Brunnkirchen, konnte am 21. Jänner vermelden, dass auch die Impfungen in den Häusern Thorwesten und Ringstraße durchgeführt sind.

„Im Haus Thorwesten ist uns teilweise der Impfstoff ausgegangen“, freut er sich, dass sich dort 171 der 192 Bewohner (89 %) sowie rund zwei Drittel der 151 Bediensteten – von den Ärztinnen Andrea Nuhr und Iris Solf-Thron – immunisieren ließen. Auf der Ringstraße bekamen 72 der 82 Bewohner (88 %) sowie 50 % der Bediensteten von den Medizinerinnen Claudia Sacher-Faltl und Beatrix Holzinger die Spritze. Die Impfung sei „gut organisiert“ gewesen, attestiert Dobritzhofer seinen Mitarbeitern gute Arbeit. Restliche Dosen seien zum Beispiel an ehrenamtliche Helfer oder gefährdete Angehörige verimpft worden.

„Bürgermeister konnten wir leider nicht impfen!“

Perfekt lief die Aktion auch im Pflegezentrum Langenlois ab. 71 der 88 Bewohner (80,6%) und 51 der 64 Bediensteten (79,7%) erhielten dort am 20. und 21. Jänner durch Allgemeinmediziner Peter Tschiesche die Injektion.

Theresia Schredl – mit Bereichsleiter Peter Haschkovitz – war die erste Bewohnerin des Pflegezentrums Langenlois, die geimpft wurde.
Martin Kalchhauser

Für Eifersüchteleien, die in der Folge in Langenlois vor allem in den Reihen der Senioren und Pensionisten die Runde machten, hat Geschäftsführer Martin Zigler kein Verständnis: „Wir haben uns bei der Vergabe überflüssiger Dosen exakt an den Impfplan des Ministeriums gehalten.“

So kamen in Langenlois auch Rotkreuz-Mitarbeiter, niedergelassene (Zahn-)Ärzte der Region sowie deren Assistenten und über 80-Jährige mit Vorerkrankungen zum Zug. „Das ist eine Heuchelei ohne Ende“, ärgert sich Zigler, der alles akribisch dokumentieren kann. Es hätten sogar Leute dieser Zielgruppen direkt bei der Impfung verängstigt gefragt, „ob wir da eh keine Schwierigkeiten kriegen“.

Zigler, der sich angesichts des aktuellen Impfstoff-Mangels strikt dagegen verwehrt, wertvolles Serum verderben zu lassen, anlässlich der Kritik an Gemeindeoberhäupter, die sich „vorgedrängelt“ haben: „Unseren Bürgermeister konnten wir leider nicht impfen!“