Wichtig für Rot-Kreuz-Vize Ebner: „Werte vermitteln“. Hans Ebner, Leiter der Rotkreuz-Bezirksstelle Langenlois, ist nun für ganz NÖ zuständig.

Von Gertrude Schopf. Erstellt am 22. Juli 2021 (05:09)
Steht seinen Mann beim Roten Kreuz: Hans Ebner, RK-NÖ-Vizepräsident.
Chris Leneis, Chris Leneis

Er ist seit über 30 Jahren ehrenamtlich beim Roten Kreuz Lan genlois tätig (25 Jahre Bezirksstellenleiter), seit 17 Jahren im Landesvorstand NÖ (Viertelsvertreter Waldviertel) und wurde nun mit knapp 80 Prozent der Delegiertenstimmen zum Vizepräsidenten des NÖ Roten Kreuzes gewählt: Die NÖN sprach mit Hans Ebner über seine neuen Aufgaben, über Highlights der vergangenen Jahre und über die Bedeutung des Ehrenamtes für die Organisation.

NÖN: Wie sieht Ihre neue Aufgabe in der Rotkreuz-Landesorganisation nun aus?

Hans Ebner: Der Rettungsdienst wurde durch einen Vertrag mit dem Land NÖ neu geregelt. Es gelten nun eine eigene Fahrzeuglogistik und besondere Vorgaben bezüglich Bereithaltung der Mannschaft. Unser Ziel wird es sein, diesen Vertrag umzusetzen und dabei so viel wie nötig zentral zu steuern und so wenig wie möglich in die Autonomie der Bezirks- und Ortsstellen einzugreifen. Die Erhaltung dieser Infrastruktur und einen Solidaritätsausgleich zwischen Stadt und Land (unter anderem bei den Rettungsfahrten) sollten wir dabei fest im Auge behalten. Dafür werde ich mich jedenfalls einsetzen – und, wenn nötig, auch kritisch hinterfragen.

Es geht da ja vor allem – und wie immer – ums Finanzielle?

Ebner: Die Kostendeckung im Rettungsdienst war auch schon eine Herausforderung beim Betrieb der Bezirksstelle Langen lois. Da musste ich mit den sechs Mitgliedsgemeinden verhandeln – was im Sinne der Bezirksstelle und somit im Sinne der Bevölkerung gelungen ist. Es wird auch weiterhin darum gehen, einen guten und finanzierbaren Mix aus angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern zu finden.

Ein Betrieb von Bezirks- und Ortsstellen ganz ohne Freiwillige...?

Ebner: ... wäre ganz sicher nicht möglich. Unsere Bezirksstelle ist Tag und Nacht besetzt, wir bauen auf die Zivildiener und in Zukunft auch auf die Absolventen und Absolventinnen des Freiwilligen Sozialjahres – in Langenlois bewährt sich gerade eben diese Zusammenarbeit.

Auch die Mitarbeiterführung liegt Ihnen am Herzen?

Ebner: Ja, ich denke, in der Bezirksstelle sind wir ein Team, fast eine Familie, in der soziale und gesellschaftliche Werte vermittelt werden. Die Zivis und Absolventen des FSJ sind ein wichtiges Rädchen im Gesundheitssystem. Denn die „Ichlinge“ werden immer mehr, Gemeinschaftssinn muss in heutiger Zeit viel mehr gefördert werden. Auch die Motivation der Ehrenamtlichen ist sehr wichtig.

Sie sind/waren da in dieser Hinsicht in Langenlois sehr erfolgreich?

Ebner: Ein Beispiel für funktionierendes ehrenamtliches Engagement ist die Team Österreich Tafel, die bei uns seit zwölf Jahren läuft, auch in Corona-Zeiten gelaufen ist. Knapp 60Mitarbeiter stehen da jeden Samstag im Einsatz und versorgen circa 45 bis 55 regionale Haushalte mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs.

Sie haben als Leiter der Bezirksstelle Langenlois zahlreiche Highlights erlebt. Woran erinnern Sie sich besonders?

Ebner: Das gibt‘s einiges. Zum einen wäre da der Bau des Sicherheitszentrums in der Kamptalstraße, bei dem ich als Ideengeber zusammen mit einigen Gleichgesinnten sicher maßgeblich beteiligt war. Und das sich dann gleich im Jahr der Eröffnung beim großen Hochwasser 2002 bewährt hat. Dann der Zubau mit Photovoltaik und Beheizen beider Gebäude mit Erdwärme. Und dann natürlich die Flüchtlingskrise 2015 – das Rote Kreuz Langenlois hat insgesamt 48 Asylwerber betreut. Viele davon haben in der Region ihre Heimat gefunden, arbeiten in regionalen Betrieben – für mich eine Erfolgsgeschichte. Und jetzt natürlich die Pandemie – ich war einer der vier Einsatzleiter in NÖ, wir haben in kürzester Zeit die Testungen und Teststraßen erfolgreich organisiert.

Jetzt warten NÖ-weit neue Aufgaben – wird die Bezirksstelle ohne Sie auskommen (müssen)?

Ebner: Nein, ich glaube, ganz aufhören kann ich gar nicht. Die Bezirksstelle ist ja ein bisschen auch mein Zuhause. Meine Erfahrung werde ich weiterhin einbringen – so gewünscht.