Langenlois

Erstellt am 20. Dezember 2018, 05:13

von Gertrude Schopf

Zweigelt-Diskussion: Name als Stein des Anstoßes. Was sagt der Zweigelt-Urenkel Winzer Thomas Leithner zur Debatte um den Rotwein?

Winzer Thomas Leithner, Urenkel von Fritz Zweigelt.  |  Lechner

Eine Diskussion ist um den Zweigelt, die Rotwein-Leitsorte Österreichs, entbrannt: Aufgrund der nationalsozialistischen Verstrickung dessen Erfinders Fritz Zweigelt fordert eine Wiener Vereinigung eine Namensänderung des Weins.

„Ein ,Nazi-Verbrecher‘ allerdings war er nicht“

„Man kann die Vergangenheit nicht auslöschen, indem man den Namen streicht!“ Thomas Leithner, Winzer und Urenkel von Fritz Zweigelt, beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit der Historie rund um seinen berühmten Vorfahren. Er kann der derzeitigen Diskussion nichts abgewinnen.

„Um die Sache selbst kann es da nicht gehen! Es ist kein Geheimnis, dass Fritz Zweigelt ein Nazi war, das kann man überall nachlesen“, weist er unter anderem auf den ORF-Dokumentarfilm ,Zweigelt – Wein und Wahrheit‘ (2011) hin. „Ein ,Nazi-Verbrecher‘ allerdings war er nicht“, hat Leithner bei seinen Recherchen bislang keinen Hinweis auf diesbezügliche Vorwürfe gefunden.

Fritz Zweigelt hat seine Kreuzung der Rebsorten St. Laurent und Blaufränkisch im Jahr 1922 „Rotburger“ genannt (er kreierte auch weitere neue Rebsorten wie Blauburger und Goldburger, die aber nicht so erfolgreich waren). Erst später hat sich herausgestellt, dass sich der Rotburger besonders gut für die klimatischen Gegebenheiten hierzulande eignete.

Auf Initiative von Zweigelt-Schüler Lenz Moser wurde die Sorte 1975 auf Zweigelt umbenannt – und hat seither ihren Siegeszug weltweit fortgesetzt. „Die Rebsorte wird in ganz Europa, in Nordamerika und sogar in Japan kultiviert – und der Wein ist ein erfolgreiches und bekanntes Exportprodukt“, kann sich Leithner auch in dieser Hinsicht eine Umbenennung schwer vorstellen.

Sein Appell: „Es wäre wohl besser, sich beim Trinken eines Glases Zweigelt der Verantwortung bewusst zu sein, dass eine politische Entwicklung wie in den 30er/40er Jahren nicht wieder passiert!“