Teures Pflaster: „Krems ist ein Immobilien-Sonderfall“. Online-Anzeigenportal „willhaben“ weist Krems als teures Pflaster aus. Hochpreisiger sind in Niederösterreich nur die Speckgürtel-Bezirke.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 27. März 2018 (05:30)
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Nicht Geldbörsen-freundlich: Für Wohnungen in Krems muss zumeist tief in die Tasche gegriffen werden.

Die Stadt Krems ist immobilientechnisch gesehen ein teures Pflaster, das bestätigt einmal mehr die Marktübersicht von „willhaben“. Das Online-Anzeigenportal hat dafür 120.000 Anzeigen untersucht. Das Ergebnis: Nur die Speckgürtel-Bezirke rund um Wien sind teurer als Krems. „Krems-Stadt ist bedingt durch die zahlreichen hochkarätigen Ausbildungsstätten seit einiger Zeit ein Sonderfall am Immobilienmarkt in Niederösterreich“, sagt „willhaben“-Immobilien-Chefin Judith Kössner.

Zum ohnehin bereits hohen Niveau kommt hinzu, dass die Preise weiterhin steigen – bei Eigentumswohnungen sogar um satte 6,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. Knapp 2.700 Euro kostet der Quadratmeter im Schnitt. Für den Immobilien-Experten Christoph Kirchhofer liegt der Grund auf der Hand: „Die Eigentumswohnungen werden teurer, weil die Baukosten in den vergangenen Jahren immer höher geworden sind. Die Bauträger jammern schon lange darüber.“

„Die Leute umgehen das Zentrum wegen der katastrophalen Parksituation.“Immobilien-Experte Christoph Kirchhofer

Der Immobilienbranche können die hohen Preise nichts anhaben. „Krems ist eher attraktiv für Leute von außen, die auch ein entsprechendes Finanzpotenzial mitbringen. Denen ist es egal, ob ihre Wunsch-Wohnung 10.000 Euro mehr kostet“, so Kirchhofer, der davon ausgeht, dass die Preise weiter steigen.

Auch bei den Mietwohnungen ist das Preisniveau konstant hoch. Durchschnittlich sind 10,33 Euro pro Quadratmeter zu berappen. Anders als die Experten von „willhaben“ sieht Kirchhofer in diesem Segment aber keine steigenden Preise: „Das Niveau ist meiner Meinung nach gleichbleibend. Mietwohnungen sind in Krems schwer anzubringen. Entscheidendes Kriterium ist die Qualität. Die Ansprüche an Mietwohnungen in Krems sind enorm hoch.“

Besonders gering sei das Interesse an Mietwohnungen im Zentrum: „Die Leute umgehen das Zentrum wegen der katastrophalen Parksituation. Viele Wohnungen stehen deswegen leer“, weiß Kirchhofer.

Interessenten rät der Immobilien-Experte zu größeren Wohnungen, unabhängig davon, ob auf Miet- oder Eigentumsbasis. „Bei Wohnungen um die 100 Quadratmeter kann nicht der gleiche Quadratmeterpreis verlangt werden wie bei kleineren, sonst bringt man sie nicht an.“

Krems-Land konträr zu Entwicklung in Stadt

Völlig konträr zur Stadt stellt sich die Situation im Bezirk Krems-Land dar. Eigentumswohnungen sind von 2016 auf 2017 um 4,3 Prozent billiger geworden. Sollte sich der Trend fortsetzen, ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis am Land bald um 1.000 Euro niedriger als in der Stadt. Ähnlich die Lage bei den Mietwohnungen: Bei einem Quadratmeterpreis von 8,67 Euro im Jahr 2017 stiegen Mieter am Land deutlich günstiger aus als in der Stadt. Hier lautet die Faustregel laut Kirchhofer: „Je näher die Immobilie am Ballungszentrum Krems liegt, desto teurer wird es.“