Im Norden des Kremser Bezirks baut man günstiger. Weißenkirchen ist Spitzenreiter. Nord-Gemeinden günstiger, Flächenumwidmungen stehen aber noch aus.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:56)
Quelle & Karte: OGM

Die Preise für Baugrund gehen zwischen den Kremser Gemeinden stark auseinander. Das zeigt eine aktuelle OGM-Analyse mit Durchschnittswerten für die Periode 2015 bis 2020. Das teuerste Pflaster ist Weißenkirchen, mit 152 Euro/m². „Weißenkirchen ist für viele Leute attraktiv, aber unsere Baulandreserven sind begrenzt, weil das meiste Wein- und Obstgartenflächen sind“, erklärt Christian Geppner, ÖVP-Bürgermeister der Wachauer Gemeinde. Positiv sieht er ein Projekt, bei dem mit dem Stift Melk Weingartenflächen getauscht und damit als Bauflächen gewonnen werden. „So etwas hatten wir im Ziegelofen schon, da wohnen jetzt viele junge Weißenkirchner.

Ebenfalls an der Spitze der Preisskala angesiedelt ist Dürnstein mit 94 Euro. „Wir hätten etwa drei Hektar Bauland, das aber nicht zum Verkauf steht. Für große GEDESAG-Bauten ist Dürnstein zu klein strukturiert, und sozialen Wohnbau gibt es hier auch nicht. Wir haben Mühe, die Bevölkerungszahlen zu halten“, erklärt ÖVP-Bürgermeister Johann Riesenhuber die Situation. Dürnstein sei im Schrumpfen begriffen.

Was oberflächlich betrachtet widersprüchlich erscheint: Obwohl Weißenkirchen wie Dürnstein beliebte Lebensmittelpunkte sind, gibt es etliches an Leerstand. „Bei uns sind das etwa 20 Objekte, die sich im Ortskern befinden“, erklärt Geppner. Es handelt sich vor allem um ältere, denkmalgeschützte Objekte. „Hier gibt es besondere Auflagen, man kann so ein Haus nicht einfach nach freiem Willen umbauen. Das ist für viele dann nicht attraktiv.“ Auch wenn er schon höher war, wünscht sich Geppner den Leerstand weg. „Der Ortskern darf nicht sterben.“

In Dürnstein sei die Leerstands-Situation mindestens genauso schlimm wie in Weißenkirchen, sagt Riesenhuber. Ein weiteres Thema ist natürlich die Erhaltung des Ortsbildes. Dürnstein ist Vorreiter bei der Umsetzung der „Wachau-Zonen“, die durch besondere bauliche Regelungen den Charakter der Wachauer Orte erhalten soll. Weißenkirchen sei diesbezüglich auch schon „am Start“. 

Relativ „gesalzen“ sind die Baugrundpreise mit 97 Euro je Quadratmeter auch in Stratzing, jener Kremser Gemeinde, die 2020 den größten Zuwachs erlebte. „Wir haben das Problem, dass derzeit niemand Bauland an die Gemeinde verkaufen will. Feste Werte sind ja sehr gefragt“, so Bürgermeister Josef Schmid.

Preislicher Gegenpol zur Wachau ist der Bezirks-Norden

In Jaidhof, Krumau und St. Leonhard am Hornerwald ist der Quadratmeter bereits für 28 Euro zu haben. Auch die Gemeinde Jaidhof hat derzeit keinen Baugrund, den sie Interessenten anbieten könnte. „Aktuell wird viel gebaut – und ja, die Preise sind vergleichsweise niedrig, aber vor 15 Jahren waren wir sogar bei 17 Euro/m²“, so ÖVP-Bürgermeister Franz Aschauer.

Eva Schachinger, Bürgermeisterin in St. Leonhard am Hornerwald, und Josef Graf, Bürgermeister aus Krumau am Kamp (beide ÖVP) bestätigen: „Das Corona-Jahr 2020 hat einen massiven Nachfrageanstieg bei den Baugründen gebracht.“ Beide Gemeinden befinden sich derzeit im Umwidmungsprozess von Flächen. Graf „kämpft“ seit seiner Amtsübernahme 2019 mit dem Thema Flächenumwidmung. Aktuell prüfe das Land NÖ seine Pläne. „Wenn nix Grobes passiert, rechne ich mit einem positiven Ergebnis.“

Alle befragten Gemeinden binden Baugrundverkäufe strikt an Bauzwang-Klauseln. Das heißt, dass ein Bauwerber innerhalb einer Frist – meist drei bis fünf Jahre – bauen muss. Andernfalls fällt der Grund wieder an die Gemeinde zurück. Spekulationskäufe von Baugründen sollen so verhindert werden.

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