Gföhler: „Wir Bestatter sind auch systemrelevant“. Bestatter spricht über Licht- und Schattenseiten seines Berufes und die Auswirkungen von Corona auf seinen Arbeitsalltag. Naturbestattung Der „Klosterwald“ in Niederösterreich ist der erste kirchlich betriebene Bestattungswald Österreichs.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 28. Oktober 2020 (05:37)

„Ich habe mein Handy immer bei mir“, erklärt Eric Hofbauer. Als Bestatter weiß er: „Der Tod hält sich an keine Wochentage oder Tageszeiten. Man muss stets auf einen Anruf gefasst sein.“

Als 15-Jähriger begann er, im Gföhler Bestattungsunternehmen seiner Familie, das er heute leitet, zu arbeiten. „Es ist ein harter, aber würdevoller Beruf. Man muss das als Berufung betrachten“, so Hofbauer. Etwa 150 Bestattungen stemmen er und sein vierköpfiges Team pro Jahr. „Ein großer Teil unserer Arbeit ist auch die Kommunikation mit den Angehörigen und deren professionelle Beratung.“

„Der Tod hält sich an keine Wochentage“

Zumeist seien die organisatorischen und ästhetischen Detailfragen einer Bestattung noch weitgehend offen. Und oft gebe es viele Meinungsverschiedenheiten und Koordinierungsbedarf bei den Hinterbliebenen. Hofbauers Appell: „Wenn man sich schon früh darüber informiert – etwa über unsere Homepage – nimmt uns das viel Mühe und Stress.“

Er sieht einen Trend zur Urnenbestattung. „Auch Bestattungen am Privatgrundstück werden des Öfteren genutzt.“ Bei Donaubestattungen falle das Grab als Gedenkenort weg. Angehörige würden diese Art der Beisetzung als Vereinigung des Verstorbenen mit einem natürlichen Kreislauf sehen. Das Coronavirus hat den Arbeitsalltag noch erschwert. „Die Regierung hat vergessen, dass auch wir Bestatter systemrelevant sind“, kritisiert Hofbauer.

Bestattungsunternehmen müssten den erheblichen Hygiene- und Materialaufwand zeitlich und finanziell alleine schultern. Haben sich die Corona-Auflagen negativ auf Begräbnisabläufe ausgewirkt? „Ganz im Gegenteil. Es war eher so, dass die Menschen es begrüßt haben, wenn ein Begräbnis in kleinem Rahmen stattfand. Wenn man im engen Familienkreis Abschied nimmt, erleben Menschen das viel intensiver, als wenn man in einer Menge von 200 Leuten steht.“

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