Maria Grengg: Widmung für Kriegsverbrecher. Der Kremser Historiker Robert Streibel stieß in der Debatte über die Umbenennung der Maria-Grengg-Gasse auf neuen Zündstoff.

Von Petra Vock. Erstellt am 22. Februar 2021 (05:06)
Robert Streibel hat Maria Grenggs Bücher gelesen und fiel dabei laut eigener Aussage „fast vom Sessel“.
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Die in Stein geborene Malerin und Heimatdichterin Maria Grengg bediente in ihren Büchern aggressive antisemitische und rassistische Klischees und widmete eines davon einem Kriegsverbrecher. „Sie war keine bloße Mitläuferin, sondern Nazi-Dichterin aus tiefstem Herzen“, ist das Fazit von Historiker Robert Streibel.

„Ich habe mir die Literatur von Maria Grengg genau angesehen. Und dabei bin ich fast vom Sessel gefallen“, schildert Streibel. Das erste Buch des 1944 veröffentlichten Werkes „Lebensbaum“ sei Generaloberst Alexander Löhr gewidmet – jenem Mann, unter dessen Kommando drei Jahre zuvor Belgrad ohne Kriegserklärung durch Bomben in Schutt und Asche gelegt worden war.

Löhr wurde für dieses und weitere unter seinem Oberbefehl verübte Kriegsverbrechen 1947 von einem jugoslawischen Militärgericht zum Tode verurteilt. „Wie zynisch ist das, ein Buch, das 1717 in Belgrad spielt, genau dem Mann zu widmen, der Belgrad vollkommen zerstört hat!“, so Streibel. Dass Grengg naiv war und nicht viel vom Krieg wusste, sei auszuschließen: „In ihrem Nachlass in der Nationalbibliothek bin ich auf eine Fotografie aus ihrem Privatbesitz gestoßen, die aus einem Flieger gemacht wurde und auf der die Bombenziele von Belgrad markiert sind“, erklärt Streibel.

Kremser Gemeinderäte sollen Zeichen setzen

Dass Grengg von der NS-Ideologie durchdrungen war, beweisen laut Streibel auch rassistische und antisemitische Darstellungen in ihren Werken. So sei in „Die Kindlmutter“ (1938) über eine Roma-Anführerin der ungeheuerliche Satz zu lesen: „Jetzt ist sie Ahnfrau von weit über 100 Stück dunkler Ratten.“ Ein Vergleich von Menschen mit Schädlingen findet sich auch in dem in Stein spielenden Roman „Peterl“ (1932), in dem einem jüdischen Händler das „Aussehen eines stumpfäugigen Engerlings“ bescheinigt werde. Nach 1945 seien manche Stellen auf Initiative der Verleger getilgt worden – so wurden die „Ratten“ in der Donauland-Ausgabe von 1950 zu „Nachkommen“.

In einem YouTube-Video, das Streibel zu diesem Thema gestaltet hat, fordert er die Kremser Gemeinderäte auf, ein Zeichen zu setzen, wenn über die Umbenennung der Maria-Grengg-Gasse abgestimmt wird – eine Empfehlung des Historiker-Beirats, die der Gemeinderat im Dezember zur Kenntnis genommen hat (die NÖN berichtete). Streibel: „Maria Grengg war eine hervorragende Malerin, aber so schön kann ein Blumenstrauß nicht gemalt werden, um das vergessen zu machen, was sie geschrieben hat – nämlich antisemitische und rassistische Literatur.“