Antigen-Tests vor allem zum Nachweis höherer Viruslast

Antigen-Schnelltests, wie sie im Rahmen der geplanten Massentestungen in Österreich breit angewendeten werden sollen, sind laut Experten vor allem zur Identifikation von Personen geeignet, die zum Testzeitpunkt eine relativ hohe SARS-CoV-2-Viruslast haben.

APA / NÖN.at Erstellt am 01. Dezember 2020 | 14:17
Coronavirus Corona-Test Coronatest Symbolbild Wert liegt knapp unter der Höchstmarke von Samstag
Der Wert liegt knapp unter der Höchstmarke von Samstag
Foto: APA (Symbolbild/dpa)

Damit könne man vor allem Menschen aus dem Infektionsgeschehen nehmen, die zwar kaum bis keine Symptome verspüren, aber andere anstecken können.

Klar ist, dass diese Verfahren gegenüber den als Gold-Standard geltenden PCR-Tests weniger genau sind. Das heißt, dass sie nicht jeden Virus-Träger erkennen, bei dem sich die Infektion erst zu entwickeln beginnt, und bei dem die Viruslast in Nase und Rachen noch entsprechend niedrig ist. Gleiches gilt für den mitunter langen Zeitraum, in dem die Infektion abklingt, SARS-CoV-2-Viren aber noch in geringerem Ausmaß als in der infektiösen Phase vorhanden sind. Hier schlagen PCR-Test verlässlicher an.

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Bei den nun breit angewendeten Antigen-Schnelltests würden immer wieder auch potenziell infektiöse, zum Test-Zeitpunkt asymptomatische Personen durchrutschen. Daher wären auch in engem zeitlichen Abstand aufeinanderfolgende Testungen von Vorteil, so Experten am Montag bei einem vom Bundeskanzleramt organisierten Hintergrundgespräch.

Darüber, wie genau derartige Tests insgesamt sind, scheiden sich auch unter Experten mitunter die Geister. Klar ist, dass es von der Qualität der eingesetzten Verfahren und von der verlässlichen Umsetzung der Probenentnahme abhängt. In einer Übersichtsarbeit des unabhängigen Wissenschafter-Netzwerks "Cochrane" schnitten solche Verfahren laut einer Aussendung der Donau-Universität Krems "nicht sonderlich gut ab. Antigen-Schnelltests übersahen 20 bis 70 Prozent der Infizierten je nach Qualität, Verfahren und Umsetzung", hieß es da.

Eine noch nicht von Fachkollegen überprüfte Studie des deutschen Virologen Christian Drosten und Kollegen attestierte vor kurzem den meisten dort untersuchten Verfahren recht hohe Qualität. Bei der Spezifität, also der Wahrscheinlichkeit, dass es zu falsch positiven Ergebnissen kommt, erreichten in der auf der wissenschaftlichen Plattform "medRxiv" hochgeladenen Arbeit fünf von sieben Produkte einen Wert von zumindest nahezu 99 Prozent. Tatsächlich Infizierte erkannten alle Tests bis auf einen dann durchwegs treffsicher, wenn die Viruskonzentrationen entsprechend hoch waren. Falsch negative Ergebnisse bei tatsächlich zum Testzeitpunkt ansteckenden Covid-19-Infizierten seien also erwartungsgemäß relativ selten.

Dass es bei Massentestungen von erwartbar großteils gesunden Menschen mit nicht hundertprozentig genauen Verfahren zu Fehlern kommen könne, liege auf der Hand. "Die Tests sind nicht perfekt" und könnten derart breit angewendet mitunter auch zahlreiche falsch positive Resultate bringen, betonte etwa der Komplexitätsforscher Stefan Thurner vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) am Montag. Oswald Wagner, Leiter des klinischen Instituts für Labormedizin am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH), bezeichnete die Qualität wiederum als "überraschend gut". Sensitivität und Spezifität könnten bei 99 Prozent und darüber liegen. Die bereits durchgeführten Massentests in Südtirol und der Slowakei hätten in manchen Gebieten bei sehr hoher Teilnahmequote auch sehr niedrige Infektionszahlen ergeben. Sehr viele falsch Positive könnten hier also nicht dabei gewesen sein.