Kostenexplosion! Rathaus-Umbau viel teurer als erwartet. Statt ursprünglich kalkulierter 1,6 Mio. Euro kostet die Sanierung nun satte 2,9 Mio. Euro. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 06. März 2018 (04:27)
Johann Lechner
Seit Februar ist das Rathaus eine Baustelle.

Viel tiefer als ursprünglich angenommen muss die Gemeinde für den Umbau des Rathauses in die Tasche greifen. Waren bei den Planungsarbeiten noch 1,6 Millionen Euro für das Großprojekt anberaumt, sind die voraussichtlichen Kosten innerhalb von knapp eineinhalb Jahren auf 2,9 Millionen Euro explodiert.

Die Gründe für die erheblichen Mehrkosten sind vielfältig, wie Vizebürgermeister Philipp Hirsch (ÖVP) während der vergangenen Gemeinderatssitzung erläuterte: „Es stecken auch Instandhaltungskosten in dem Projekt. Alleine die Dachsanierung kostet 200.000 Euro. Ein großer Brocken sind aber natürlich die Zusatzleistungen, die in der ursprünglichen Kalkulation nicht dabei waren.“ Die Rede ist dabei unter anderem von 140.000 Euro teuren Holzkastenfenstern, die das Bundesdenkmalamt für das denkmalgeschützte Gebäude vorgeschrieben hat.

„Das Rathaus stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In diesen 150 Jahren wurde nichts getan.“Finanzstadtrat Karl Reder (ÖVP)

Harte Kritik an der Kosten explosion übte Stadtrat Stephan Gruber (Bürgerliste Mautern anders), der gleichzeitig auch eine Frage an die anderen Gemeinderäte richtete: „Habt ihr beim Hausbauen auch die Kosten um das Doppelte überschritten? Ich kann es mir nicht vorstellen, denn ein Privater kann sich so etwas nicht leisten.“

Unverständnis löste bei Gruber auch das Architekten-Honorar aus: „Die Überschreitung ist enorm, er bekommt jetzt um 100.000 Euro mehr. Hat er wirklich so viel mehr zu tun, dass diese Summe gerechtfertigt ist?“ Bürgermeister Heinrich Brustbauer (ÖVP) beschwichtigt: „Ein Nachlass des Architekten-Honorars ist möglich.“

Zufrieden gibt sich Gruber damit nicht. „Wer beschließt eigentlich die ganzen Konzept änderungen? Ab jetzt komme ich auch auf die Baubesprechungen, damit ich erfahre, wer das Regiment führt.“ Hirsch: „Ich kann nicht wegen jeder Änderung des Konzepts Rücksprache mit dem Gemeinderat halten.“

Leitungen erst bei Bauarbeiten entdeckt

Eine einfache Erklärung für die 1,3 Millionen Euro hohen Mehrkosten hat Stadtamtsdirektor Emmerich Gattinger: „Es fällt der Gemeinde jetzt auf den Kopf, dass 50 Jahre nichts gemacht wurde. Teilweise wurden Leitungen entdeckt, von denen niemand wusste, dass sie existieren. Solche Dinge kann man vorab nicht berücksichtigen.“

Finanzstadtrat Karl Reder (ÖVP) verbessert Gattinger sogar noch bei der Dauer der Untätigkeit: „Das Rathaus stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In diesen 150 Jahren wurde nichts getan. Wir haben deswegen die Verpflichtung, die Voraussetzungen zu schaffen, dass in den nächsten 50 Jahren niemand eingreifen muss.“

Die unerwarteten Mehrkosten sprengen jedenfalls bereits jetzt den außerordentlichen Haushalt der Gemeinde. 4,6 Millionen Euro waren ursprünglich dafür anberaumt. Alleine gemeinsam mit zwei weiteren kostspieligen Projekten wie der Kanal- und Wasserleitungserneuerung in Baumgarten (1,9 Millionen Euro) und der Raumschalen-Sanierung der Schlosskapelle (300.000 Euro) belaufen sich die vorgesehenen Ausgaben bereits auf 5,1 Millionen Euro.