Kremser Radlobby: „Wir sind keine ,Rad-Faschisten‘!“. Radlobby machte anlässlich der Mobilitätswoche Stimmung für umweltfreundliche Fortbewegung.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 23. September 2018 (07:54)

Die Mobilitätswoche nahm die Kremser Radlobby zum Anlass, um auf Anliegen der Radfahrer in der Stadt Krems aufmerksam zu machen.

„Aktion GemeindeRad“ vor der Sitzung

Getan wurde dies im Rahmen von zwei Aktionen. Bei der ersten unter dem Titel „GemeindeRad“ empfingen sechs Aktivisten, darunter die Sprecher Klaus Otepka und Kurt Lenitz sowie der bis vor kurzem als „Fahrradbeauftragter“ der Stadt tätige Adolf Krumbholz, die Gemeinderäte vor der Sitzung am Mittwoch, 19. September.Vor dem Steiner Rathaus wurden alle, die mit dem Rad angereist waren, mit Applaus begrüßt.

Auf dass es weiter „läuft wie geschmiert“

Außerdem erhielten die Radler ein Fläschchen Fahrradöl überreicht. „Damit es weiter läuft wie geschmiert“, scherzten die Aktivisten bei der Übergabe an die auf zwei Rädern eintreffenden Mandatare. SPÖ-Vizebürgermeisterin Eva Hollerer war ebenso umweltfreundlich unterwegs wie ihr Fraktionskollege Klaus Bergmaier. Von der ÖVP trat Edith Gruber in die Pedale – sie hat allerdings ebenso Heimvorteil in Stein wie FPÖ-Stadtrat Werner Friedl.

Zu Fuß gehen als Alternative zum Radeln

Ebenfalls gelobt wurde Gemeinderätin Sandra Mayer von den Grünen, die zu Fuß zur Zusammenkunft „angereist“ kam.

„Auch zu Fuß zu gehen, ist ein Beitrag zum Umweltschutz“, begründeten die Radlobbyisten die Übergabe eines Ölfläschchens an sie. Nikolaus Lackner von der KLS-Fraktion, die so gut wie immer auf zwei Rädern dabei ist, ging leer aus, weil er gerade an diesem Sitzungstag aus Zeitgründen mit dem Auto gekommen war.

Chef der Stadtverwaltung ist ebenfalls Vorbild

Das Geschenk lehnte Stadtamtsdirektor Karl Hallbauer zwar ab („Ich bin ja kein Mandatar!“), mit dem Rad sieht man den Chef der Stadtverwaltung aber fast täglich durch die Straßen düsen. Auch er bekam von den Mobilitäts-Botschaftern Lob ab.

Nur wenige Teilnehmer an der Rad-Runde

Die zweite Aktion, eine Rad-Runde durch Krems, fand am Samstag, 22. September, statt. Entgegen der Wetterprognosen – Regen war prophezeit worden – gab es ideale Radfahr-Bedingungen.

Es war kühl, aber trocken. Dennoch fand sich nur ein kleines Häufchen Radler am Treffpunkt Bahnhofplatz ein, von wo Klaus Otepka seine kleine Tour startete. Mit dabei waren Vertreter fast aller Gemeinderatsfraktionen und Christian Braun, der Manager der Klima- und Energiemodellregion (KEM) Krems.

Krems hat noch zu wenige „Alltagsradler“

Durch den Stadtpark ging es auf die Donaulände bis zum „Wellenspiel“. Die Donau entlang erreichte man die Mitterau, wo man an den Radweg entlang der Krems wechselte. „40 % Radfahrverkehr wie in Kopenhagen wäre ein Traum“, meinte Otepka, konstatierte aber auch, dass das Bewusstsein für Radfahrer im Straßenverkehr in Krems wachse.

Allerdings sei das Radfahren für die Kremser eher ein Freizeitvergnügen. Die Nutzung des Rads für den Weg zu Arbeit oder Ausbildung („Alltagsradler“) sei eher gering.

„Brauchen keine Radfahrer-Partei!“

„Wir sind keine Radfaschisten“, drückte er drastisch aus, dass es seitens der Pedalritter keinen Kampf gegen den Autoverkehr gebe.

In Anspielung an die Mandatare fast aller Fraktionen in der kleinen Radler-Gruppe fügte Otepka hinzu: „Es gibt in allen Fraktionen des Kremser Gemeinderats Radfahr-Freunde. Deshalb brauchen wir auch keine eigene Radfahrer-Partei.“ Und er appellierte an die Radfahrer in den verschiedenen Parteien, sich besser zu vernetzen, auch über die Fraktionsgrenzen hinweg.

Gegen Fahrraddiebstähle: Polizei informierte

Am Ziel am Dreifaltigkeitsplatz, wo die Radlobby wieder einmal einen Service-Tag anbot, gab es für die Radfahrer eine kleine Stärkung. Außerdem informierte Herbert Goldnagl, seitens der Polizei im Bezirk Krems für die Aktion „Gemeinsam sicher“ zuständig, die Teilnehmer über Sicherheitsaspekte. Interesse fand die Broschüre über die Vermeidung von Fahrraddiebstählen.

Lob eines Radlers aus Bayern für Stadt Krems

Zur Freude des Kremser Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel gab es auch großes Lob für die Stadt Krems. Ein Gast aus Bayern, der mit einem speziellen Dreirad abgasfrei unterwegs ist, meinte, dass die Stadt an der Donau zwar noch nicht das Nivau Hollands erreicht habe, für den deutschen Freistaat aber durchaus ein Vorbild sein könnte.