Homo-Ehen in Krems: Pärchen im Gespräch. Christine Neumaier und Silvia Seeböck haben als erstes lesbisches Paar aus Krems geheiratet. Schon im Jänner gaben einander zwei Männer das Jawort.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 05. November 2019 (04:35)
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Christine Neumaier (links) und Silvia Seeböck haben nicht in Hochzeitskleidern, sondern im legeren Alltagsgewand geheiratet.
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Seit 1. Jänner 2019 ist die gleichgeschlechtliche Ehe in Österreich erlaubt. In Krems hält sich der Andrang, die neue Möglichkeit zu nützen, in Grenzen. Gleich nach der Legalisierung der Homo-Ehe gaben einander zwei Männer das Jawort, Ende September trauten sich jetzt auch die ersten Frauen. Christine Neumaier ist 51 Jahre alt, Silvia Seeböck 43. Die Kremserinnen sind seit 14 Jahren ein Paar.

„Uns war sofort klar, dass wir heiraten wollen“, erzählt Neumaier. Ihre Ehepartnerin Seeböck sieht trotz gestiegener gesellschaftlicher Akzeptanz – laut einer Studie befürworten 73 Prozent der Österreicher die gleichgeschlechtliche Ehe – noch immer eine Tabuisierung des Themas. „Es ist für mich der größte Wunsch, dass eine Hochzeit zwischen zwei Frauen oder zwei Männern nichts Besonderes mehr ist.“

„Es ist eher so, dass die Menschen nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen“

Anders als in vielen anderen Familien hatten Seeböcks und Neumaiers nächstes Umfeld kein Problem mit deren sexueller Orientierung. Beide Frauen entdeckten die Vorliebe für das gleiche Geschlecht schon früh für sich.

Auch wenn sich die frisch Vermählten bis auf Besuche bei der Regenbogenparade nie aktivistisch engagierten, ist die Solidarität mit Kämpfern für die Rechte Homosexueller groß. Einen geplanten Urlaub nach Moskau stornierten Neumaier und Seeböck wegen einer Attacke gegen Aktivistinnen. „Ich fühle mich in meiner Lebensweise zwar nicht eingeschränkt“, sagt Seeböck, „ich würde mich aber nicht nach Saudi-Arabien fliegen trauen.“

Diskriminierung widerfuhr bisher weder Neumaier noch Seeböck aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung. „Es ist eher so, dass die Menschen nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen“, erzählt Seeböck. Unter Druck setze sie das nicht. „Im Gegensatz zu meiner Jugend, wo ich alles versteckter gemacht habe, denke ich über Küsse in der Öffentlichkeit heute nicht mehr nach“, ergänzt Neumaier.