Grafenegg

Erstellt am 04. Dezember 2018, 05:19

von Nadja Straubinger

„Mit Draingarden sind wir Erste im Bezirk“. Eine ganze Siedlung in Etsdorf erhält ökologische Alternative zur herkömmlichen Entwässerung mit Zusatznutzen.

Bürgermeister Anton Pfeifer und Gärtnermeister Anton Rath präsentieren das erste DraingardenProjekt im Bezirk. Es umfasst eine ganze Siedlung.  |  Johann Lechner

Eine ganze Siedlung in Etsdorf wird mit dem Draingarden Regenwassermanagementsystem ausgestattet. „Mit dem Draingarden sind wir die Ersten im Bezirk“, freut sich Grafeneggs Bürgermeister Anton Pfeifer (ÖVP).

Weil die Gegend sehr flach sei, gebe es immer wieder Probleme mit der Entwässerung. „Bei Starkregen ist das Kanalsystem in den Siedlungen oft überlastet. Es entsteht ein Rückstau, und das beunruhigt die Bevölkerung“, erklärt Pfeifer. Das neue System ermöglicht die Regenwasserversickerung auf Eigengrund und entkoppelt das Kanalsystem. Um sich im Vorfeld ein Bild von der Technik zu machen, schauten sich Gemeindevertreter mit dem Bürgermeister Projekte in St. Pölten und Zwentendorf an. „Unsere Kostenschätzung hat ergeben, dass die ökologische Variante nicht teurer als die herkömmliche Entwässerung ist“, begründet Pfeifer die Entscheidung.

„Wenn sich das System durchsetzt, ist es für alle gut: das Klima, das Wasser und uns.“

Anton Pfeifer, Bürgermeister

Projektareal sind zwei Straßenzüge – Fasangasse und Kreuzgasse –, sie werden neu errichtet. Dort entstand eine große Siedlung mit fünf Wohnhäusern und 15 Bauplätzen für Einfamilienhäuser. In Summe sind es an die 50 Wohneinheiten. Um hier Problemen mit dem Kanal vorzubeugen, wird das Draingardensystem umgesetzt. „Wasser wird in den Grünanlagen gepuffert, und so kann das Kanalsystem auch bei Starkregen entlastet werden“, erklärt Anton Rath, Gesellschafter der Zenebio GmbH. Diese entwickelte mit der Universität für Bodenkultur und Zivilingenieuren für Siedlungswasserbau das bahnbrechende System.

Zwischen 300 und 600 Liter Wasser pro Quadratmeter kann das verwendete Substrat mit unterschiedlichen Korngrößen aufnehmen. Der Grünbereich, ausgestattet mit Draingarden-Pflanzsubstrat, fungiert laut Entwickler als Filter, der das Wasser von Schadstoffen reinige, und Speicher – und wird damit selbst zum Retentionsraum.

Sinn hinter dem System sei es, das Wasser im ökologischen Kreislauf zu halten. Es wird aufgenommen und verdunstet vor Ort wieder. „Damit spart man sich Arbeitszeit, Wasser für die Bewässerung, und es ergibt sich zusätzlich ein kühlender Effekt von etwa 1,5 Grad in der Umgebung“, so Rath. Das sei insofern wichtig, weil die Hitzetage immer mehr werden, stark erhitzte Flächen und Bauwerke nachts Hitze abstrahlen und damit keine Abkühlung mehr stattfinden kann. „Wir müssen das Wasser vor Ort halten und nicht ableiten“, führt Rath aus. Beim Pilotprojekt in Etsdorf wird das im großen Rahmen umgesetzt.

Gemeinde erspart sich teure Investitionen

„Draingarden führt dazu, dass in Zukunft das bestehende Kanalsystem entlastet wird und keine weiteren kostspieligen Dimensionserhöhungen nötig sind, um Oberflächenwässer schadlos ableiten zu können“, hebt Rath hervor. Starkregen bringt Flüsse rasch zum Übergehen, wenig später führen sie wieder Normalpegel. Die Versiegelung der Grundfläche – in Österreich laut Umweltbundesamt täglich 12,9 Hektar – und der Klimawandel verstärken Starkregeneffekte weiter. „Draingarden spart zusätzlich kostenaufwendige hydraulische Pumpsysteme, die Rückhaltung erledigen Grünrabatten, die sowieso nötig sind“, lobt Rath die mutige Entscheidung des Bürgermeisters für die neue Technologie. Pfeifer: „Es ist eine gescheite Geschichte. Wenn sich das System durchsetzt, ist es für alle gut: das Klima, das Wasser und uns.