Polytechnische Schule: „Besser als sein Ruf!“. Die Polytechnische Schule sollte mehr angenommen werden, sind die PTS-Direktoren überzeugt.

Von Petra Vock. Erstellt am 20. September 2016 (05:20)
Gertrude Lechner
Ist die Polytechnische Schule noch zeitgemäß? In Krems ist sie Teil des Schulzentrums.  

Da waren‘s nur noch drei: Nachdem es in Gföhl heuer keine Polytechnische Schule mehr geben wird (die NÖN berichtete), sind im Bezirk inzwischen nur noch in Krems, Langenlois und Grafenegg Polytechnische Schulen übrig.

Im längerfristigen Vergleich ist die Zahl der Poly-Schüler stark rückläufig: In Krems-Stadt ist sie in den letzten zehn Jahren um 13 Prozent gesunken, in Krems-Land sogar um mehr als die Hälfte (– 54 Prozent).

„Fast alle unserer Schüler finden eine Lehrstelle. Das ist bei anderen Schultypen sicher nicht der Fall.“

Ernst Trautsamwieser, Direktor der PTS Krems

Dass das so ist, liegt am Andrang zu höheren Schulen, hat aber auch finanzielle Gründe: „Wegen der Schul-Umlage, die an die PTS Krems zu zahlen ist, schicken viele Gemeinden ihre Kinder lieber in andere Schultypen, wo es sie nichts kostet“, bedauert Ernst Trautsamwieser, Direktor der PTS Krems.

Das sei nicht immer im Interesse der Schüler, ist Trautsamwieser überzeugt: „Kein anderer Schultyp bereitet die Schüler so gut auf den Beruf vor wie die Polytechnische Schule. Fast alle unserer Schüler finden eine Lehrstelle. Ohne etwas schlechtmachen zu wollen: Das ist bei anderen Schultypen sicher nicht der Fall.“

"Berufsvorbereitungsjahr, kein lästiges Anhängsel“

Ähnlich sieht es Erich Broidl, Direktor der NMS und PTS Langenlois: „Die Polytechnische Schule ist ein Berufsvorbereitungsjahr, kein lästiges zusätzliches Anhängsel.“

Als Vorbereitung auf den Beruf habe die PTS „große Vorteile gegenüber anderen Schulen“, betont Broidl: „Unsere Schüler können in die Praxis rausgehen, haben Schnupperlehren und werden in Fachbereichen auf den angestrebten Beruf vorbereitet, sodass sie bereits Vorkenntnisse erwerben.“

Diese Vorbereitung in Fachbereichen werde von der Wirtschaft sehr geschätzt, berichtet auch Trautsamwieser. „Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen von Firmenchefs: ,Der kommt zu uns schnuppern und wirkt, als ob er das 1. Lehrjahr schon hinter sich hätte.‘ Also unsere Schüler sind wirklich gut vorbereitet.“

Die Fachbereiche sieht Trautsamwieser übrigens als Argument, das für ein zentrales Poly in Krems spräche: „Wir können vier bis fünf Fachbereiche anbieten. Kleinere Polytechnische Schulen können das nicht.“

"Bringen Schüler zu fast 100 Prozent in der Wirtschaft unter“

Das Image-Problem, das die Polytechnische Schule in Teilen der Bevölkerung hat, liege ganz sicher nicht an den Inhalten, ist Alois Naber, Direktor der NMS und PTS Grafenegg, überzeugt. Auch er verweist auf den „sehr intensiven Kontakt mit der Wirtschaft“: „Wir bringen unsere Schüler zu fast 100 Prozent in der Wirtschaft unter.“

Dass so viele Jugendliche, statt eine Lehre anzustreben, ihr Heil in höheren Schulen suchen, sieht er skeptisch: „Wir hören immer wieder von der Wirtschaft: ,Habt ihr keine Leute im Poly? Wir bekommen immer nur Siebzehnjährige, die eine Schule abgebrochen haben und frustriert sind.‘“

Der heurige PTS-Jahrgang sei sogar eine Integrationsklasse mit einem Rollstuhlfahrer, berichtet Naber: „Es gibt keinerlei Eskalationen, unsere 17 Schüler sind lammfromm, und es funktioniert tadellos. Man muss es nur annehmen.“

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  • „Poly“ als Schulform noch zeitgemäß?