Stefan Pfalzer: Jung, engagiert und aus Langenlois. Stefan Pfalzer ist als Präsident einer Denkfabrik zentrale Schnittstelle zwischen Entscheidungsträgern und Studierenden.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 25. Oktober 2019 (05:33)
Stefan Pfalzer, Präsident des European Student Think Tank.
privat

Felderfahrung in Tunesien, Tansania und Marokko, Praktika bei den Vereinten Nationen in New York und der EU-Kommission in Brüssel und ihrer Vertretung in Wien. Nein, Stefan Pfalzer ist kein Berufsdiplomat mit langjähriger Erfahrung, sondern ein 24-jähriger Student, der in Langenlois aufgewachsen ist.

Liest sich die Vita des mittlerweile in Paris lebenden Weltenbummlers beeindruckend, wird sie seit September durch sein Amt als Präsident einer Denkfabrik weiter bereichert. Der European Student Think Tank (EST) ist eine Nichtregierungsorganisation von Studenten für Studenten, deren zentrale Aufgabe es ist, einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen.

„Die Dringlichkeit der Themen Geschlechtergleichheit und Klimaschutz im Diskurs muss steigen.“Stefan Pfalzer über seine Ziele als Präsident des EST.

In allen EU-Mitglieds- und Kandidatenländern sind die sogenannten Botschafter des EST vertreten. Sie organisieren Treffen zwischen Studierenden und Entscheidungsträgern, wie Politikern und Diplomaten.

„Die Idee hinter den Besuchen ist, dass es für bestimmte Karrieremöglichkeiten ein gewisses Hintergrundwissen braucht. Wir möchten diese Informationen demokratisieren“, erklärt Pfalzer, der die europäisch-integrative Komponente des Projekts betont. Hunderte Stundenten kommen dank des EST bei rund 25 Events jährlich an einen Tisch mit wichtigen Playern.

„Unsere Möglichkeit, den Diskurs zu formen“

Die Teilnehmer kommen nicht unvorbereitet zu den Treffen. Vorab erstellte Policy-Papers werden vor Ort diskutiert. „Das ist unsere Möglichkeit, den Diskurs zu formen.“ Inwiefern sich ihr Einfluss auf die Realpolitik niederschlägt, traut sich Pfalzer nicht zu bewerten. „Die diskursive Schlagkraft kann man nicht beziffern. Aber wir glauben daran.“

Er selbst ist seit 2016 beim EST dabei, ab Herbst 2017 als Botschafter in Wien. Nur ein Jahr darauf übernahm er als „International Officer“ die Koordination der rund 20 Botschafter. „Im Mai habe ich dann den Entschluss gefasst, mich als Präsident zu bewerben.“ Ernannt wird der beim EST vom Vorgänger. Gefackelt hat Pfalzer nicht lange, nachdem fix geworden war, dass er das neue oberste Organ der supranationalen Denkfabrik ist. „Ich habe zwei Arbeitsgruppen zu Geschlechtergleichheit und Umwelt geschaffen. Ich finde, wir sollten uns noch viel besser von anderen Organisationen differenzieren.“

Der Einsatz für mehr Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau ist es auch, der Pfalzer gemeinsam mit dem Thema Klimaschutz persönlich besonders am Herzen liegt. „Die Dringlichkeit dieser Bereiche im Diskurs muss steigen.“ Eine Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen, gibt es im Rahmen des European Youth Events im Mai 2020 in Straßburg. Der EST organisiert dort ein Get-together mit EU-Kommissaren und Abgeordneten. „Das ist die Gelegenheit, uns zu positionieren.“

„Multilaterale Konfliktvermittlung, das wäre auf jeden Fall was für mich“

Abseits der rund zehn bis zwölf Wochenstunden, die Pfalzer für seinen Präsidentenjob investiert, absolviert der Langenloiser den Masterstudiengang International Security. Nach einem stark praxisorientierten Jahr in Paris mit den Schwerpunkten Konfliktbearbeitung, Cybersecurity, Risikoanalyse und Krisenmanagement führt ihn der zweite Abschnitt des Studiums im Herbst 2020 an die renommierte London School of Economics and Political Science, an der Persönlichkeiten wie David Rockefeller, John F. Kennedy und Karl Popper studierten. Der Lehrgang wird mit zwei Mastertiteln abgeschlossen.

Dem Gebiet möchte Pfalzer danach treu bleiben. „Multilaterale Konfliktvermittlung, das wäre auf jeden Fall was für mich“, sagt der Absolvent des Kremser Piaristengymnasiums. Woher sein Interesse an der Politik und seinen verwandten Feldern liegt? „Das ist zum einen familiär bedingt, zum anderen dem Umfeld zu verdanken, das ich im Piaristengymnasium hatte. Wir waren ein Freundeskreis, der politisch sehr interessiert war und in der Oberstufe auch immer wieder zu Diskussionsveranstaltungen nach Wien gefahren ist.“

Auch wenn sich sein Lebensmittelpunkt mittlerweile in Richtung der europäischen Großstädte verlagert hat, kehrt der 24-Jährige gerne in seine Heimat Langenlois zurück, wo er einst auch für den örtlichen Fußballverein gekickt hat. „Ich bin irrsinnig gerne daheim, gehe gerne laufen in den Weinbergen und genieße da einfach nur die Stille.“