„Alkoholverbot wäre Politik-Entscheidung“. Kremser Magistratsdirektor hält Maßnahme für „zweischneidiges Schwert“. Bänke abmontieren ist auch keine Lösung.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 01. August 2018 (04:44)
NÖN, Martin Kalchhauser
Die Sitzbänke im Ostbereich des Bahnhofplatzes sind für Passanten nur bedingt nutzbar – manchmal „belegt“, oft verschmutzt. Das Foto entstand am Nachmittag des vergangenen Samstags.

Mehrheitlich als Aufgabe des Magistrats der Stadt Krems sehen die NÖN-Leser laut Internet-Umfrage die Lösung des „Sandler-Problems“ am Bahnhofplatz (wir berichteten ausführlich). „Das Bild, das ich habe: Da sitzen Leute und konsumieren Alkohol. Das ist in Krems noch nicht verboten“, meint Magistratsdirektor Karl Hallbauer zum Thema.

Bänke entfernen würde das Problem verlagern

Mit Ideen, das Problem der Unterstandslosen in den Griff zu bekommen, konfrontierte die NÖN den Behördenchef der Stadt. Manche sind dafür, die Bänke zu entfernen, andere denken an ein Verbot des Alkoholkonsums im öffentlichen Bereich (wie es ein solches z. B. im Zentrum der Stadt Horn gibt).

„Der Bahnhofplatz ist sowieso ein Hotspot, wo die Polizei immer wieder vorbeikommt.“Magistratsdirektor Karl Hallbauer

„Wenn wir die Bänke abmontieren, wissen wir genau, was passiert: Wir verlagern das Thema. Am Bahnhofplatz haben wir die Situation immer wieder. Das ist kein Problem, das erst vor kurzem aufgetreten ist“, betont Hallbauer. „Bei mir schlagen aber auch Beschwerden von Menschen auf, die die in der Sparkassengasse entfernten Bänke wieder zurückhaben wollen. Das hat angeblich auch ausgelöst, dass einige Personen von dort auf den Bahnhofplatz gewandert sind.“

NÖN, Martin Kalchhauser
Magistratsdirektor Karl Hallbauer: „Alkoholverbot am Bahnhofplatz wäre eine politische Entscheidung.“

Für den Magistratsdirektor („Mit dem Begriff ,Sandler‘ tue ich mir schwer, weil das ein Ausdruck für Unterstandslose ist, also Leute ohne Wohnungen. Ich kenne in Krems nur zwei Unterstandslose.“) wäre ein Alkoholverbot aus persönlicher Sicht eine überzogene Maßnahme und auch „ein zweischneidiges Schwert. Das würde auch den Radfahrer treffen, der von Passau nach Wien fährt, hier Pause macht und ein Bier trinkt. Den müsste ich dann auch strafen.“

Klar sei: Wenn am Platz öffentlich die Notdurft verrichtet werde, sei das genauso wenig in Ordnung wie anderswo. „Wenn man spätnachts durch die Kremser Lokalszene geht, wird man sozusagen auch ,Nicht-Sandler‘ finden, die ihre Notdurft auf der Straße verrichten. Wenn sie von der Polizei erwischt werden, werden sie bestraft.“

Die Polizei habe den Auftrag bekommen, verstärkt zu patroullieren und auf diese Dinge zu achten, erneuert Hallbauer die Aufforderung bei Ausschreitungen diese zu rufen. „Der Bahnhofplatz ist sowieso ein Hotspot, wo die Polizei immer wieder vorbeikommt. Wir haben zwar keine ,St. Pöltner Zustände‘, wo auch Gewalttaten stattgefunden haben. Bei uns sind es ja nur Verwaltungsübertretungen. Aber ich verstehe, dass die Situation für jemanden, der dort lebt, arbeitet oder sich aufhält, unangenehm ist.“