Further in Sorge um „Gottschelle“. Rodungen als massive Eingriffe in Natur im legalen Bereich? Winzer fühlt sich von den Umweltschützern zu Unrecht angegriffen.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 14. Januar 2021 (05:43)
Großflächige Arbeiten in den Weingärten der Riede „Gottschelle“ am Fuß des Göttweiger Bergs erregten den Unmut einiger Beobachter.
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Eine Rodung in großem Stil in der Riede „Gottschelle“ am Fuß des Göttweiger Bergs sorgt in der Gemeinde Furth für Aufregung. Seit den Tagen vor Weihnachten war dort ein Bagger unterwegs, um gerodete Weingartenterrassen zu planieren und Böschungen zu begradigen. Besorgte Further alarmierten die Behörde.

Die auf den ersten Blick massiven Eingriffe in die Natur, so wurde unter anderem von einigen Anrainern in Furth-Aigen moniert, seien eine Zerstörung des natürlichen Lebensraumes zahlreicher Kleinlebewesen. Wegen der Frage, ob sich die Vorgangsweise im legalen Rahmen bewege, wurde in der Folge von den Grünen in Furth eine Anfrage an die Behörde gestellt.

Radikale Maßnahmen im Visier der Grünen

Umweltgemeinderat Georg Mayer (Grüne) richtete Anfrage an Behörde.
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Von „radikaler Weingartenkultivierung“ sprechen die Grünen in einer Aussendung, es sei „ein wichtiger Lebensraum der Tier- und Pflanzenwelt verschwunden“. Die geschützte Vogelart der Bienenfresser brauche aber unter anderem die dadurch vertriebenen Insekten als Nahrung. „Wir haben die Naturschutzbehörde aufgefordert, die rechtliche Grundlage der Baumaßnahmen zu prüfen“, informiert Umweltgemeinderat Georg Mayer (Grüne). „Den Verlauf des Verfahrens werden wir genau verfolgen.“

„Arbeiten im bewilligungsfreien Raum“ seien laut Naturschutzgesetz bis 1.000 m² erlaubt, stellt die für Umweltagenden zuständige Bezirkshauptfrau-Stellvertreterin Christa Hammer fest. „Diese Grenze wurde überschritten.“ Eine nachträgliche Bewilligung sei jedoch möglich, weil keine Naturschutzzone betroffen sei. Das Vorgehen werde rechtlich sanktioniert, so die Juristin, Details dazu könne sie jedoch nicht bekanntgeben.

Winzer Leopold Müller sieht sich im Recht und kritisiert „Pseudogrüne“.
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Zu Unrecht angegriffen fühlt sich der betroffene Winzer. „Wir haben einen Weingarten gerodet und eine Böschung ,nachgeputzt‘“, nennt Leopold Müller, Krustetten, die Aktion Kritik „einiger Pseudogrüner“. Beim Ausmaß der Arbeiten handle es sich um eine Fehlinformation. „Ich habe 1.000 m² nicht überschritten!“ Bei den „geringfügigen Maßnahmen“ sei man sogar besonders vorsichtig vorgegangen. Auch von der Agrar-Bezirksbehörde habe es „grünes Licht“ gegeben. Müller: „Wenn mein Ruf geschädigt wird, werde ich meinen Anwalt einschalten.“

Aktuelle Entwicklung: Müller wird sich nach dem Lockdown mit Vertretern der Grünen in Furth zu einem Lokalaugenschein an Ort und Stelle treffen.