Kremser Landsteiner-Uni erforscht „Bergtyp“. Erzeugt geographische Umgebung gewisse „Menschentypen“? KLU liefert Antworten.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 17. Oktober 2020 (05:56)
„Gibt keinen klassischen Bergtyp“: Professor Stefan Stieger von der KLU und seine Kollegen fanden „stabile, aber sehr geringe Persönlichkeitsunterschiede“ zwischen Berg- und Flachlandbewohnern heraus.Mayerhofer
Foto: Johannes

Bergbewohner ticken anders als Menschen vom Flachland und der Stadt. Dies zeigt eine Studie der Kremser Karl Landsteiner Privatuniversität (KLU), an der auch britische, amerikanische und australische Forscher mitarbeiten.

„Wir waren die Ideengeber der Studie und haben einen US-Datensatz ausgewertet, welcher über Jahre erhoben wurde“, sagt Universitätsprofessor Stefan Stieger vom KLU-Department für Psychologie und Psychodynamik. Dieser enthält individuelle Persönlichkeitsangaben von mehr als 3.3 Millionen US-Bürgern, welche einen Online-Fragebogen ausgefüllt haben. „Dank ZIP-Code konnten wir die Angaben auf der wissenschaftlichen Persönlichkeitsskala geographisch zuordnen.“

Was konnten Stieger und sein Team konkret herausfinden? Bei den Merkmalen „Emotionale Stabilität“ und „Offenheit für neue Erfahrungen“ wurden unter Bewohnern von Bergregionen im Vergleich zu Flachlandbewohnern stärkere Ausprägungen analysiert. „Hier gibt es einen Sozialisierungseffekt: Leute, die in Bergregionen ziehen, übernehmen die dort herrschenden soziokulturellen Normen.“

Bei der höheren Introvertiertheit, geringeren Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit von Bergbewohnern zeigte sich ein durchmischteres Bild, doch der Gesellschaftseinfluss spielt gesamt betrachtet eine größere Rolle, als die bloße Anwesenheit von Bergen. Von einem „Bergtypen“ möchte Stieger nicht sprechen: „Die Unterschiede sind zwar stabil, aber auf geringem Niveau.“

Einschränkend sei erwähnt, dass die Teilnehmer der Befragung nicht repräsentativ für die US-Bevölkerung waren, da diese von sich aus den Online-Fragebogen beantworteten und nicht in einem ordentlichen Stichprobenverfahren gezogen wurden. Außerdem betont Stieger, die Aussagekraft der Studie sei auf die USA zu beschränken.