„Verrückte“ Schuhe der Stein-Häftlinge als Hit. Stein-Häftlinge sorgten mit ihrem Erfolg bei Europa-Bewerb für Furore.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 01. Mai 2019 (06:39)

Insider wissen schon lange, dass die Mitarbeiter der Lederwerkstätte der Strafvollzugsanstalt (StVA) Stein hochwertige Arbeit leisten. Jetzt wurde das beim Europa-Bewerb „Crazy Shoes“ („Verrückte Schuhe“) eindrucksvoll bestätigt.

„Multiprofessionell und interdisziplinär zusammengearbeitet“

Sechs Modelle reichte die StVA beim Bewerb ein, vier schafften es unter die 15 besten Europas. Beim vorwöchigen Finale des von der Landesinnung der Wiener Schuhmacher ausgerichteten Bewerbs, bei dem vier Bedienstete (siehe Foto!) die Produkte vorführten, sorgten die fantasiereichen Modelle der Häftlinge für Furore – auch wenn es leider nicht für einen Stockerlplatz reichte. Die ersten drei Plätze, die eine Jury vergab, gingen nach Deutschland (1. und 3. Platz) und Tirol.

„Initiator bei uns im Haus war Thomas Stauder, unser Orthopädieschuhmachermeister, der die Facharbeiterausbildung zum sogenannten Oberteilherrichter leitet“, freut sich Annamaria Florreither, die Leiterin des pädagogischen Dienstes.

Das tolle Teamwork und das Zusammenspiel aller Beteiligten – vom Engagement der Häftlinge bis zur unterstützenden Anstaltsleitung – habe voll funktioniert. „Es ist positiv, dass es Interesse gab, am Wettbewerb mitzuwirken. Die Beschäftigung der Insassen und unser Bildungsauftrag sind wesentliche Aspekte. Hier wurde multiprofessionell und interdisziplinär zusammengearbeitet“, lobt Florreither alle Beteiligten.

Aus Stein dabei waren:

Der „Bayernschuh“ , mit dem ein gebürtiger Bayer, der in Stein sitzt, die bayrische Gemütlichkeit zum Ausdruck bringen will.

Für den Schuh „Mythos“ , gedacht „für eine Drachenjägerin, ließ sich ein Lehrling der Werkstätte der StVA von der Serie „Games of Thrones“ inspirieren.

Der „ Gefängnisschuh “ bedarf keiner Erklärung – außer dass sich ein Häftling mit dem Werk mit seiner eigenen Biografie auseinandersetzt. Der Schuh ist bewusst schief geraten, der Mann will mit seiner Arbeit wieder „auf den geraden Weg zurückkommen“.

Der Schuh der Medusa “ zeigt, dass sich sein Schöpfer mit der griechischen Mythologie auseinandersetzt. Das Modell mit Kunstleder mit Schlangenmuster war das erste Damenmodell, das der Insasse angefertigt hat.

Anstaltsleiter Christian Timm freut sich über den Erfolg, weil er darauf aufmerksam macht, welche gute Arbeit in den Werkstätten in Stein geleistet wird. Der geregelte Tagesablauf mit sinnvoller Beschäftigung sowie die Fachausbildung seien ein wesentlicher Beitrag für eine optimale Wiedereingliederung der Insassen nach ihrer Entlassung.