Gastro gibt sich geschlagen: „Unser Kampf ist vorbei!“. Ab 1. November gilt das totale Rauchverbot in der Gastronomie. Investitionen werden fällig.

Von Franz Aschauer und Johannes Mayerhofer. Erstellt am 15. Oktober 2019 (04:47)
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Symbolbild

Christian Ilkerl, Chef des Kremser Traditionskaffeehauses Berger, macht sich keine großen Hoffnungen. „Unser Kampf gegen das Rauchverbot in der Gastronomie ist mit 1. November vorbei.“ Selbst wenn es wieder zu einer ÖVP-FPÖ-Koalition kommen sollte – die FPÖ ist als einzige Partei gegen ein Rauchverbot in der Gastro – werde das Gesetz nicht mehr gekippt, prophezeit Ilkerl.

Seiner Meinung nach habe das System der abgetrennten Raucherbereiche „super funktioniert“. An Untersuchungen wie jene der NÖ Gebietskrankenkasse, welche in 19 von 20 Testlokalen bis zu zehnfach erhöhte Feinstaubbelastungen in den Nichtraucherbereichen feststellte, glaube er nicht. In den Umbau seines Cafés habe er damals, als das Gesetz mit den getrennten Bereichen gekommen ist, 50.000 bis 60.000 Euro investiert. „Wir haben eine Glastür eingebaut, einen Rauchvernichter installiert und für ausreichende Belüftung gesorgt“, so der Ex-Raucher, der vor 10 Jahren dem Glimmstängel entsagte.

„Jeder muss schauen, wie er die Situation löst. Wir haben das Beste daraus gemacht.“ Gastronom Erich Lipp hat keine Angst vor dem 1. November

Ilkerl rechnet mit 20 Prozent Umsatzverlust durch das Gesetz. Raucher und Nichtraucher hielten sich in seiner Kundschaft in etwa die Waage. Sein Betrieb würde „um fünf Jahre zurückgeworfen“ werden. Weiters betont er: „Ich würde auch keine Erstattung meiner Investitionen wollen, es geht mir lediglich darum, dass jeder als Kunde und Gastronom die freie Wahl hat, ob geraucht wird oder nicht.“ An der gesundheitlichen Gesamtsituation werde das Gesetz seiner Meinung nach nichts ändern.

Deutlich weniger Probleme mit dem Rauchverbot hat Erich Lipp, Chef im „Hoppala“ an der Wienerstraße. Das Beisl, das stark von Rauchern frequentiert wird, verfügt über eine überdachte Raucherlounge im Freien mit Heizstrahlern zum selber Aufdrehen. „Jeder muss schauen, wie er die Situation lösen kann. Wir haben das Beste daraus gemacht“, ist Lipp zufrieden. 2.000 Euro habe er in die Einrichtung des Außenbereichs investiert. Im Lokal werde eine Wand, die bisher den Raucherbereich vom Nichtraucherbereich trennte, entfernt.

„Jeder muss schauen, wie er die Situation lösen kann"

Umstellen müssen sich ab 1. November auch die meisten Altstadtlokale. Lediglich der Q-Stall am Hohen Markt hat bereits das totale Rauchverbot eingeführt. „Für die Mitarbeiter ist die Arbeit seitdem viel angenehmer, und die Gäste freuen sich, dass ihr Gewand nach dem Fortgehen nicht stinkt“, spricht Ines Branigan, stellvertretende Geschäftsführerin der Kremser Altstadtlokale, von durchwegs positiven Erfahrungen. Sorgen macht sie sich hingegen um die Lokale, die noch nicht rauchfrei sind. In der „Quba“, XO-Bar und dem „Steirisch Irish“ ist „Tschicken“ noch erlaubt. „Wenn die Leute da nach 22 Uhr zum Rauchen rausgehen, werden wir Probleme mit Lärmbelästigungen bekommen. Wir müssen mehr Securitys einstellen“, sagt Branigan, die die Hoffnung auf eine Ausnahmeregelung für die Nachtgastronomie noch nicht aufgegeben hat. Wenngleich sie wisse, dass es sich „bis November nicht mehr ausgeht“.

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